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Niemand weiss, wo ich war. Niemand fragt. Niemand bricht auf, den Bergen entgegen, wenn ich von einem Aufstieg zurückkehre nicht. Eine Lawine ist wie flüssiger Beton, der über dich wandert. Und Feuerwerkskörper in deinem Mund und gezündet, sie retten dich nicht.

So habe ich, sollte all dies sich ereignen, ein paar hübsche Kurzgeschichten geschrieben. Zwei Romane. Essigfässer mit Lyrik. Skizzen zu Siehst-du-den-Mann-da? Ich kenne die Unendlichkeits-Planungen der Dämonen nicht. Doch werden sie mich nicht zu berücksichtigen wissen.

Letzter Kaffee. Mein Tisch ist kalt. Es flimmert all mein Herz. Nimm einen Schwan und sing.

Im Hellen aufgestanden. Und alle Dunkelheit ist fern. Wo ist Ihre Division? Sie trat an, ohne Glauben, ohne Hoffnung. Sie ging zugrunde, im Tanz der Abpraller. Ich sagte dir an, den lieben Advent.

Zettelwirtschaft wie immer: Handy aufladen mit 56211. Das Böse kennt kein Motiv. Eines Tages, einer Zeit. Tschaikowsky war der vorletzte Autodidakt. Wir trauern um TJW. Ich zähle die Katzen nicht mehr, die in meiner Wohnung verhungern.

Siehst du all diesen Schnee? Sie schickten ihn uns, als wir schliefen, Kinder erzeugten, jenseits all dieser Freude. Die im Erdgeschoss bekommen die Türen nicht auf. Die im Obergeschoss sehen versunkene Welten. Meine Mailbox ist eine Leichenhalle.

Es liegt ja all dies ausserhalb meiner Hände. Ich bin machtloser als ein Kaiser auf einer Nussschale im Ozean. Ich suche in den Archiven nach meinem eigenen Tod. Einreichungszwang unkontrollierbar. Es ist gut, dass sie mich ablehnen. Es ist gut, dass sie mich annehmen. Meine Romane löschen sich vom letzten Zeichen aus wieder am Bildschirm.

Wir fahren in den Tod hinein. Es gibt gar keine andere Möglichkeit. Mit einem Auto voller Andenken, und ohne jedes Benzin. Ein Rettungsseil passt nicht in die Handtasche. Du kannst nur die Glaskapsel im Mund halten, um sie zu zerbeissen, dann, wenn aller Schmerz uferlos wird. Und die Helfer, die dich bergen, werden nach Mandeln duften. Christe eleison, agnus dei, qui tollis peccata mundi.

Ich bin ein Non-Adressat. Kein Brief, kein Anruf geht jemals an mich. Sie löschten meine Adresse, bevor es sich auswirkte. Sie verachten mein Schreiben. Ich kann kein Kind sehen. Ich kann nur die Gnade anbetteln um diesen einen Moment.

Wo soll ich noch schauen? Es gibt keine Plätze mehr für mich. Keine Löcher, keine Parkbänke, keine Milde. Sie übergossen die Gnade und zündeten sie an. Sie schlugen mich, bis ich schrie: Mehr. Ich werde der Text in meinen Romanen. Und Text brennt so wunderbar.

Du befindest dich ja ganz aussichtslos in Geiselhaft. Deine Augen. Dein Mund, der ein Schlitz in einem Sack ist. Und alles ist ein Rondell. Es kommt einer, der deine nicht mehr vorhandenen Zähnen ausschlägt. Sodann einer, der dir lieb zu spricht, dich tröstet, dich streichelt. Du weisst seit Jahren: Nicht Gnade ist es, sondern Plan. Ich lese in den Annalen der Zeit: Als ich sechzehn war, quälten sie einen, nur drei Jahre jünger als, bis zu dreimal am Tag, in Odenwald Kapzetos. Als mir auf den Feldern hinter dem Haus der Kirschsaft aus meinen Mund lief, war es bei ihm.

Das Thomas-Josef-Wehlim-Jahr wird es wohl vor Ablauf der Kreidezeit 2.0 nicht geben. Würde mein missratenes Schreiben als Kind geboren, sie würden seine Mutter als Hexe verbrennen. Doch liegt in jeder Hexe die Schönheit der Angst. Und Feuer hat einen Glanz, der aus deinen Augen nicht mehr schwindet.

Ich höre das nicht gern. Dass sie sich befreien, dem Tode entgegen. Meine Angst ist eine Flüssigkeit, die von unten her bereits im Munde steht. Heute drei Leider-Briefe. Einer sogar auf französisch. Nicht einmal das Elsass selbst will meinen Elsass-Roman. Ich bin ein Prophet, der im eigenen Lande nichts gilt. Und anderswo noch weniger.

Mich beunruhigen diese Zeichen. Der wenige Schnee heute. Die Hilfskälte. Die beispiellose Kampagne, als stünde der Dämon vor allen Türen. Die Kommentierungszwänge der Ortho-Gelähmten in den Websümpfen. Wäre ich, ja wäre ich, ich würde dieses Tier zurückrufen. Und aufrufen zum alles entscheidenen: Weihnachtsumtrunk.

Du kannst nichts machen. Warten. Bis ein Strick reisst. Am 15. des Monats begriff er endlich, dass er das Opferlamm war. Die Teilzieher hatten den Weg verraten.

Alles ist eine einzige Lüge. Sie logen uns an, als sie uns zeugten. Sie logen uns an, als wir geboren wurden. Sie logen uns an, als wir zur grossen Verkündigung gingen. Und Subway Sandwich Company mit der Barbie-Bedienung um die Ecke wird noch die 80-jährigen duzen.

Irgendwann riechst du danach. Ich rechne nicht mehr damit. Sie hatten genug Zeit. Nun muss England seine Position überdenken. Und mit den Konsequenzen leben. Schon einmal fielen wir Sachsen dort ein. Jetzt fungieren wir als Vorzimmer Preussens, als deutsche Neandertaler.

All das habe ich schon erlebt bei Lesungen: Das Schweigen nach dem Text, wie in einer Leichenhalle, aus Verständnis, aus Unverständnis. Höfliches Klatschen. Unhöfliches Sagen. Hass. Liebe. Töten für mich. Töten an mir. Dass Tote freundlicher wären jedoch. Zertrümmern des Textes wie ein umklammertes Korps. Muss man weiterlesen. Nur wenn der Text durch deinen Mund läuft, kannst du den Bittermandelgeruch schmecken in ihm.

Es ist mein Interesse, dass du bewacht wirst. Dass kein Böses das Böse dir antun kann. Dass ich es in den Händen zerquetschen kann, gelingt es ihm doch. Es wird Spaziergänger geben. Hunde dazu. Fragen dazu. Niemand wurde je älter als dreihundert Jahre.

Auch in dieser Frage sind wir ja so fest gelegt, dass es gar kein Zurück mehr gibt, und also ein Ganz-und-Gar-nicht-zurück unseren weiteren Weg bestimmt. Man kann nicht einfach kapitulieren, wenn man den ersten Kessel von innen sieht, man muss standhalten, und also im Walhalla dieser neuen Zeit, für immer und ewigdar, das reinste Vermächtnis der Nachwelt vermachen, welches heisst: Wann werde ich brennen?

Kann ich so gar nichts zu sagen. Schnee. Vereiste Strassenbahnen. Jedem Winter folgt ein Winter. Nach dem Sieg ist vor dem Sieg. In diesen Wochen, vor bald siebzig Jahren, froren sie entdültig fest, und begannen zu fragen, ob man Tote essen kann.

So viele Chiffren der Hoffnung gibt es, die meine heisst: Einreichung. Ich werde einreichen bis an den jüngsten Tag, einreichen mehr als alle Meere der Erde Wassertropfen mit sich führen, und bis an den Horizont und wieder zurück. Und ich will einreichen in Eintracht und Liebe mit den Verlagen, bis dass der Tod uns scheidet, und alle Verlage zu Staub geworden sind, und alle Texte mit ihnen. Ich frage meinem Gehör hinterher, und renne meinen Augen entgegen. All meine Kindheit war ein Muster, das Böse zu messen.

is: Death. Kommt er? Kommt Nikolaus? Dem ersten Hund, den sie ins All schossen, versprachen sie da oben das Wurstparadies. Er glaubte es, und bezahlte mit seinem Leben. Dem zweiten Hund, einem Affen, der an das Bananenparadies nicht glauben wollte, versprachen sie eine Äffin. Ich weiss nicht, ob er dies glaubte. Kein ganzes Leben. Kein volles Heil. Nur ein unterster Weg für mich, für dich. Nur die Jungfrau Maria kann mich erlösen. Auf allen Knien, Meile für Meile.

All dies ist mein Hass, meine Liebe: Nachdem die Genetiv- und Eschato-Titel im deutschen Sprachraum (Die Zahnstocher der Erde, Verkümmnis etc. pp.) vorübergehend beiseite gelegt wurden, kommen nun offenbar die Vom-Titel: Vom Prusten unter Wasser, vom Nicht-da-Sein-der-Schönheit. Ach, wäre ich nur unter euch. Mein Rücken, mein Bauch, meine Brust wären euch der festeste Schild. Allerhöchste Gnadensonne, die mich belichtet.

Ich kann so wenig tun. Den Müll mitnehmen bis in die nächste Stadt. Süssigkeiten verteilen gegen die stümpferne Kälte. Das Streichholz anzünden und nach dorthin legen, wo all das keinen Sinn mehr macht.

Nicht kennst du die Gefahr, die folgt dir, leise, auf knischernden, knisternden Sohlen. Den Dämon, der in den schwarzen Mantel dich dann fasst. Das Gift, das einer in die Zähne saugt für dich. Du bist der Schatten eines Schatten, und steht die Sonne senkrecht, was ist dann? Wer ist dein Kind? Der letzte in der Reihe vor dem Lichtblitz nach dem Frühstücksei? Kau hinter, sonst ersäuft man dich.

Ja, alles hat doch seine Vorteile. Und so zähle ich sie jeden Tag auf: Neben den Ausflüssen an der Türschwelle liegen. Den milderen Sprengstoff haben. Ob die Rohre im fernen Keller geplatzt sind, du merkst es erst, wenn der Schnee verdampft. Einen Hubschrauberangriff du musst von der Sonne her führen.

Umfassend erblindet. Ich suche meine heutigen und morgigen Katastrophen. Vor Moskau blieben sie liegen, und die Sibirier zerschlugen die Front wie ein Hammer hauchdünnes Glas. Doch ist es nun meine Netzhaut, die zerspringt. Und die Schatten der Geschichte tanzen zurück in mein Hirn. Wie kann man all dies schreiben, wenn das Auge ein Schwarzkörper ist?

Ein Band Kurzprosa voraussichtlich drittes / viertes Quartal dann und wann. Ein V will das ganze Kalifat sehen. Wettbewerbsbeitrag A und B fertig gemacht. Ich jage die Umschläge raus wie andere die Leuchtspurgeschosse aus dem MG. Mein rechtes Auge eitert. So verliere ich mein Sehen. Wie ein Maler seine Leinwand.

Mit Literaturseminaren überziehen sie das ganze Land. Der Markt für seltene Erden brach zusammen, doch jener für Literaturseminare funktioniert. Ich warte auf die Börsennotierung. Und die Lectores der grossen Häuser halten diese Seminare, anstatt meine Einreichungen zu lesen. Alles kannst du auf diesen Seminaren an Weisheit erlangen: Gute Sätze, schlechtere Sätze, Dramaturgie im Roman und Romane dramatisiert usw. usf. Desselbigengleichen wollen sie somit das Gute, und schaffen doch nur: Geschreibsel, Gestümper, die Schlickmasse über deinem letzten Augenlicht.

Der entscheidende Moment des Umdrehens der Fischstäbchen. Lost fish fingers, sagen die Angelsachsen. Das trifft es anders. Wann ist deine Spur zu Ende? Es wird wieder schlechtere Nachrichten geben. Ich habe noch Wasser.

In jeder der möglichen Welten werde ich verhungern, der Ausführende sein für meinen Wahn, das Gefäss für meine Schuld. Sie planten es solchermassen von Anfang an, und als ich meinte, dass Schreiben würde sie im Zaume halten, so war ich ein Indianer, der am östlichen Strand steht und sagt: Niemals wird jemand kommen über das Meer.

Mein Pseudonym ist verbrannt. Sie wissen, wer ich bin. Sie werden kommen, die Scheiben zertrümmern, die Tür, alle meine Körper. Ich kann sie verklagen, doch ist der Rechtsweg langsamer als hervorschiessendes Blut.

Was kannst du? Ich denke mich in meinen Kopf ein. Ich arbeite mich hoch, Schädel nach unten. Es ist der Hirndruck, der die Augen platzen lässt. Dies ist genug. Die Theaterprobe heute lief gut. Doch wir wissen noch nicht, wohin mit unseren Körpern.

Wenn alle Welt endet, bin ich dir. Wenn aller Raum flieht, trage ich uns. Wenn alle Zeit bricht, erschaffe ich dich.

Ich habe mich nie beklagt. Wenn man so etwas macht, kann man mit Liebe nicht rechnen. Ein Kind ist entstanden. Da kann man mit Liebe nicht rechnen. Jetzt ist das entstandene Kind nicht sein Kind. Er wär ja nie einverstanden gewesen. Und das Kind kam, weil jemand, also die Angst sagte: Sei mein Körper. Es ist ganz hässlich, wenn du zum ersten Mal so was machst. Es ist nicht direkt Schuld oder Angst vor Entdeckung. Es ist ein ganz seltsames hässliches Gefühl. Mehr so als trittst du in eine Höhle gehst immer tiefer rein, und hast plötzlich das Gefühl: Da ist noch jemand. Und das ist kein Freund.

Offenbar ist dies mein Leben: P, I, E. Starren. Sich am Sterben vergreifen. AM bekommt den WR-Preis, ich dagegen hoffe darauf, dass der Literaturwettbewerb der Stadt X mich noch für heute als Express-Preisträger einlädt. Die Worte 1) Schreiben und 2) Leere werden zu Synonymen, Tod dagegen zum Homonym.

Ich habe keine Sehnsucht mehr. Alle meine Körper, all meine Hände sind verbrannt. Es ist, als ob die Hügel vor mir die Pranken jenes einen sind, die Flüsse seine vergifteten Adern, das Meer sein äusserster Mund. Ich warte auf den Lungenschuss.

Jeder von ihnen war das Kind. Jeder die Legende von Glück, Geborgenheit, Frieden. Dann aber fuhr einer dazwischen, der auch jenes Kind war, doch in der Ecke abgestellt, und die Hunde bissen daran wie auf Knochen mit Muskelresten.

Ich war in einem Sinfoniekonzert, und all diese Beine und Arme, sie waren nicht für mich. Ich hatte den Impuls, beim Schlussapplaus zu dem Dirigenten hinaufzuklettern, vor ihm auf die Knie zu fallen und ihm zu sagen: Ich habe ein Stück, Studie auf drei Akkorden, 15 min für volles Orchester, freie Tonalität, wunderbar elegische Passagen, und wunderbar grausame, doch was gilt ein Störenfried, den niemand hört. Meine Musik ist noch verlorener als all meine Texte, als alle Hungernden der Welt, als alles Nichts.

D wird mich nicht drucken, eher, so schreiben sie mir, bringen sie benutztes Klopapier auf den Markt. Und mein Kind wird sterben; die, die es bewachen sollten, zucken die Schultern, und wissen von nichts. Jedes Feuer, das war oder das sein wird, soll mich verbrennen. Denn du erstickst dankbar, bevor du aller Brandnarben Hässlichkeit siehst.

Wie immer überschreite ich so vieles. Die Nacht, als folge ihr bereits die nächste Nacht. Den Hungerpunkt, als sei kein Essen mehr auf dieser Welt. Die Tage hinken meinem Blog hinterher, und ich den Tagen selbst. Und all mein Leben bummelt dem Tod hinterher, so wie der Hase dem Igel. Es ist an der Zeit, stehen zu bleiben.

Schreiben, Sterben auf leiser Sohle. Ohne dass man uns fürchtet. Es ist gut, dass wir getankt haben. Es wird ein Tier gewesen sein.

So ist es wie immer: Ich tue die Dinge falsch, weil sie nur falsch getan werden können. Und kommt die Schuld, bin ich ein Junge, den die Mutter schlägt mit den Worten: Das bekommst du im Voraus. Meine Geburt war die Erschaffung der Einsamkeit. Doch dies hielt mich nicht davon ab, die Einsamen zu zeugen, und mit ihnen für ein Stück Schokolade zu töten.

Ich warte immer noch auf die ersten Nomaden. Die mir sagen: Sie schreiben so schlecht, Sie sollten es sein lassen. Sie sehen so unerträglich aus, Sie sollten keine Fotos ins Web hängen. Ereignet sich dieses, so ist es gut. Durch mein Fenster gucken von draussen die Narren herein. Doch es ist nur das Spiegelbild.

Es gab auch heute keine weitergehende Klärung meiner zukünftigen Schriftsteller-Existenz. Während das F die Migrationsbewegungen von MVL und anderen Autoren von R zu S und zurück beleuchtet, sitze ich als Schwarzkörper im Dunkeln. Licht hätte auch keinen Sinn mehr, da ich alle Pigmentzellen abgebaut habe. So gilt: Lange kannst du wachliegen. Lange hungern. Bis du deinen eigenen Durst trinkst.

Es gibt keine Vorwände mehr. Du wäschst deine Finger. Du reinigst die Kacheln. Du trittst hinaus wie ein Mörder für seine Tat. Deine Schuld ist ein Stiefel, genagelt an deinen Weg. Deinen Holzweg, welcher brennt, bevor du es merkst.

Das chinesische Volk erdrückt mich. X Weh Lim, Y Weh Lim usw usf. Wie Todesengel tauchen sie in den google matches auf, wenn ich wie jeden Tag meinen Web-Rundgang mache. Meine Texte werden von Texten erdrückt, mein Name von Namen. Irgendwann gibt keine Wand mehr nach, und du musst klettern, nach unten, nach vorne, nach dorthin.

Das DLA Marbach fragt an um Einverständniserklärung zur Archivierung von die-minderheit ../blog++. Es ist, als ob ein lange Toter dankbar wieder jenes Flüstern hört, welches in den Legenden hiess: E-r-i-n-n-e-r-u-n-g. Und: Nur durch da(e)s(n) Blog kommst du zur Welt. Doch anstatt dass ich meiner geregelten Arbeit nachgehe, schreibe ich unter Kontrollverlust Romane. Und häufe Sedimente von Text vor mir an, um doch nur mit ihnen zu ersticken.

Selbst im Dunklen, selbst wenn alle Katzen blind sind, kann ich die Briefe der Verlage lesen: Non Victoria. Non Gloria. Non Honoris. Der letzte Schritt ist nur noch: Im Dunkeln schreiben. Vielleicht sollte ich ein homosexueller Al Qaida Kämpfer werden, der den Roman schreibt: Osama mein Lover.

Ich schreibe der Woche voraus wie ein Apfel seiner Fäulnis. Und jeder hat seine eigene Angst: Der Metzger die vom Tod durch das Schwein. Der Schwimmer die von der ewigen Wüste. Der Autor die vom ihr-kanntet-mich-nie. Ich habe so viel zu sagen. Fragt mich, bevor ich es tue.

Der SchrSt AM, deutlich jünger als ich, gibt in der Z ein Interview über sein Schreiben, seine geplanten und sonstigen Werke. Das ist das, was ich befürchte: Die Kinder, die Ungeborenen sehen die Ausgabe ihres Gesamtwerkes früher als ich. Selbst HHs Strassenkeulung kommt nun als Theater-Verpanschung auf die Bretter. Ich bin der Neider, der als Verhungernder dem Brotesser zusieht. Meine Romane sind ausbehandelte Krebspatienten, die nur noch den Tod des Arztes abwarten.

Das ist (fast) neu. DuK, interessiert an "unterhaltsamen" Romanen, fordert zur digitalen Manuskripteinreichung auf einem Portal ein; die Welt, das Publikum, bewertet das Geschreibsel. In definierten Zeitabständen landen die zehn höchstbewerteten auf dem Tisch des Lektorats. Das ist herrlich konsequent. Oder Pumpen des Mülls auf /dev0. Gib den Obdachenlosen das Gefühl, dass sie eine Bleibe haben. Ich bin so obdachlos, dass selbst der Himmel kein Dach mehr für mich ist.

Das ist nicht das Lebenszeichen. Blaue Plastikrose. Ein alter Koffer. Seit Tagen blute ich wie ein Panzerkorps im Kessel. Es ist an der Zeit, die Rollläden zu schliessen.

Ich war ein glückliches Kind. Dreissig Jahre später bekam ich ein glückliches Kind. Es starb an Krebs. Ich band es fest an sein Grab und sagte ihm: Ist besser, du wartest nicht auf mich.

Du wirst frieren. An Kälte, Jahr und Tag. Wenn das Zittern in dein Herz dringt, erinnerst du dich. Heimgekehrt. Ein Druck im Kopf, als sei ein Tumor drin.

Mein Kind ist dort, wo niemand ist. Es steht am Fluss, den Mund voll Erde, Staub. Ich bin verschraubt in Armut, Holz, und Hass. Wir hatten vergessen, dass auch für Sensemann gilt: Auswärts schmeckt immer besser.

Kein Fieber. Briefe. Klingeln. Ich beantworte nur noch das Wichtigste. Gebt mir eine leichtere Tasche.

Ich beginne die Woche ohne Essen, ohne Trinken, ohne Hoffnung. Absage von LZ E. Sie sagen immer ab. Nur UAS sagte einst: Fast. Es gibt so viele grausame Wendungen: Leider. Fast. Nach sachlicher Abwägung aller Umstände. Ein Vampirbuch nach dem anderen kommt auf den Markt. Und die Verlage: Ist das Action oder kriminal? Wo ist mein Volk?

Literaturzeitschriften sind ein Ghetto. Besser als der Tod, doch grausamer als das Sich-Erinnern. Du musst eines Tages ausbrechen von dort, sonst wird dein Hundertjähriges so anlasslos sein wie das Ansprechen deines Gegenübers in der Strassenbahn.

Wie wird man ein glücklicher Autor? Nicht schreiben, nicht einsenden, nicht leben lassen sich selbst. Den Tod aufkehren auf die Besenschippe, und an den Mund setzen. Und Tausende mit sich reissen. Sie zeigen mir das aufgebahrte Kind, als sei ich ein: Vater.

Ich komme nicht raus aus dem Kessel. Meine Name ist: Aussichtlos. Der Gegner drückt, hemmt, unterbricht den Nachschub, nicht einmal die Verwundeten kommen heraus. Aber wer ist dieser Gegner: Mein allerschlechtestes Schreiben? Mein desinteressiertes Thema? Meine Leser, welche die Päpstin zur Beichte aufsuchen? Man kann nicht ewig Blut verlieren.

Nichts wird sich ereignen von dem, was du erwartest, erhoffst. Bescheidenheit nennst du die Auswegslosigkeit. Stille deine Verwahrlosung. Einsamkeit den Geist, der dein türloses Zimmer betritt. Du hast nur diese beiden Hände vor deinem Gesicht.

Immerzu ist der Spam-Ordner mein Ziel. Ich schreibe an die Millionen immer von neuem: Errettet mich, ich weiss keinen Weg mehr, und lande dennoch nur im Ordner der Vergessenen. Und in den neuen Zeitaltern, wenn die Digital-Archäologen all die Daten-Sedimente über mir herauskratzen, entdecken sie mich, und als Poesie-Mumie finde ich, endlich, Geborgenheit.

Jeden Tag schicke ich mein zweites Kind in einem Umschlag durch die deutschsprachigen Lande umher. Jeden Tag küsse ich es, liebe es und sage: Du musst nun fort, ich kann nichts mehr für dich tun. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat danach kommt es zurück, mit Stempeln auf seiner Haut, und die Verlage sagen: Es ist missraten, so unendlich missraten, ein Monstrum, ein Würstchen, niemand will dieses Kind haben. So schliesst sich aller Kreis: Auch ich war einst ein Kind, dem sie sagten: Wir wollten dich nie.

Mein Arm ist kalt. Als sei er Teil eines Toten. Schwierig, sagt der Arzt, man kann das Fleisch aufwärmen, doch dann wird das Gewebe vielleicht brandig. Waren Sie mit auf dem Russland-Feldzug, frage ich? Ja, sagt er. Ein Soldat fror auf einem Panzer an. Mit dem Gesäss. Zuerst lachten seine Kameraden, doch er war nicht mehr zu retten.

Siebenhundert Jahre arbeitete ich an meinem zweiten Roman: 100 Jahre Konzeption, 400 Jahre Recherche vor Ort, 200 Jahre Schreiben, ich dürfte gar nicht mehr leben. Und doch gibt es jemanden, der jede Woche die Tut-uns-leid-Briefe der Verlage und Jury-Mitglieder liest.

So ist es, wie es ist. Der Weihnachtsmann kam und erschoss das Kind (weil es nicht brav war), das Kind fiel um und riss mit sich den Weihnachtsbaum (weil nicht befestigt), der Weihnachtsbaum und seine glühenden Kerzen setzten die Geschenke darunter in Brand die brennenden Geschenke liessen das Haus in Flammen aufgehen das Haus stürzte ein und begrub den Weihnachtsmann unter sich der noch nicht weg war. So ist Weihnachten, ich freue mich drauf. Und dass die Berggötter wegen des G-Tunnels endgültig verschnupft sind.

So aufersteht die Welt der winzigen Bahnen immer von neuem. Ich sitze in einer winzigen Lok, fahre über mit Gips erstellte Hügel, und alles Böse ist fern. Bis dieser Junge kommt, und mit dem Tennisschläger die ganze Anlage zertrümmert. Niemals ist dies geschehen, und doch bin ich der, der weinend vor allem Zerbeulten, Zerschlagenen steht.

Es kehren die dunklen Kinder zurück. Auf Zirkuswagen, in Plastiksäcken, bewaffnet wie niedliche Desperados. Wir schauen auf den Boden. Als seien dort Schnecken, die eines Tages an den Leichen dieser Kinder fressen werden. Der Tod hat immer ein Lächeln für uns.

Verträge friedfertiger Art. Sind unterwegs. Parfümierte Knebel bis in die Jahrtausende. Die Engel der Schöpfungsgeschichte zahlen die Zinsen noch heute. Und weil Gott die Welt zu einfach fand, erschuf er das Rechtswesen. Ich bin gescheitert, und alles Scheitern mit mir. Mit A-Briefen kann ich die norddeutsche Tiefebene tapezieren.

Morgen kannst du noch ruhen. Doch dann, an deinem Montagkarfreitag, wirst du sie spüren, die Chiffren des Bösen, der Nicht-Vergebung, der Vergeblichkeit. Und ihre Kürzel werden wie Hammerschläge sein: C.T., M.R.T., P.E.T. Du sprichst sie nach, ohne Hoffnung für all diese Dinge. Du legst dich nieder, gefesselt ohne Seile. Du bist ein Name, schwächer als das Flüstern im Wind. Du warst ein Zeichen, ungedeutet, leblos, sinnlos.

Am Abend des folgenden Tages schien er erstmalig die ganze Gefährlichkeit der Situation zu begreifen. Also handelte er. Er packte seine Sachen, Ausweise, Andenken, Bücher zusammen. Er verliess das Haus. Doch waren die Unterbrecher ihm zuvor gekommen.

So kannst du nichts wissen, von all jenen Geschehnissen. Den Bränden, den Schlägen, den Schreien, dem Unauflösbaren. Du bist gescheitert, bevor das Böse zu dir kommt, brüllend wie ein Halbaffe, und durch das Fenster schiesst. Du kannst nur warten. Warten. Warten. Warten ist eine Form der ... Antragstellung. Dein Glück wird abgelehnt werden. Es ist alles nur für die Unterlagen.

Soviel Tote muss ich anrufen, kontaktieren per email, um alte Dinge zu klären, die wie ein Schwelbrand in einem Benzinlager vor sich hin kriechen. Einem kleinen Jungen, dessen Mutter an Krebs starb, sagte ich: Die meine bekommst du nicht. Und was ist mit diesem Kind, das ich nie sah? Sonne und Mond sind die Augen der Schuld.

Es ist so, dass diese Schmerzen im linken Arm vom Herzmuskel herrühren, und du kannst nichts dagegen tun. Nur jedes Mal diesen Experten mit dem Plastikorgan auf dem Schreibtisch fragen: Wie oft habe ich dieses Herz noch? Drei Mal? Sieben Mal? Bevor alle Angst eine Greisin wird, und aller Hass eine meckernde Ziege?

Wie jedes Jahr, findet die Buchmesse ohne mich statt. Ich bin das Kindlein draussen vor der Tür. Ich gehe nicht mehr an die Stände, die Kuschelecken, zu den Lesungen fremder Männer und schöner Frauen. Eher gewinnt ein Einbeiniger ein Hürdenrennen, als dass die Verlage mein Anklopfen hören. So ist es gut.

Was ist deine Deckung? Vertrauen ist die Freundin der Lüge? Schatten um jedes Licht? Eine lächerliche Sonnenbrille? Durch eine Verkettung grausamer Umstände. So wird es geschehen.

Ich war der Treue, doch all meine Freundinnen verliessen mich. Ihre Namen waren: Influenza, Leukemia, Bronchita, Lepra lepramotosa. Und meine Erzengel hiessen: Vincristin, Etoposid. Methotrexat. Ein Gramm für 500 Euro. War es nicht so? Doch werden die Treulosen zurück kommen, zu mir, zu meinen Kindern, und sagen: Vergib uns, nun sind wir zurück. Und die Erzengel werden Steine gehabt haben in ihren Schuhen.

Ich bin vergessen, bevor sie mich jemals entdeckten. Jedoch, man kann ein Kind nicht einfach umschreiben. Seine Arme, Füsse, seine Zeilen aus jenem glashellen Mund. Und tausende von Firmenvertretern fahren mit Fieber über Deutschlands schönste Provinzen. Welcher ist der, der nun dir entgegenkommt?

Die Publikumsverlage sagen: Wer soll das lesen? Zu grausam, zu realistisch, wie Leute wollen sich entspannen, gruseln mit Dingen, die in ihre Wohnzimmer niemals kommen. Die Literaturverlage sagen: Nicht radikal genug in der Sprache, wo ist das neue, das umwerfend Genialische, der Funken sprang nicht über uns. So sagen die Grossen, es ist zu klein, und die Kleinen, es ist zu gross, die Bestie muss nicht Sprache sein. Man ist das ausrangierte Kind, das niemand will. Und also sagt das Kind sich: Ich bin auf dem bittersten, und dennoch: richtigsten Weg. Meine Eltern tötete ich, meine Geschwister verriet ich, doch meine Bücher lasse ich nicht.

Seit drei Tagen regnet es. Wir haben kein Benzin mehr für die Pumpen. Nur noch die Cholera wird uns bleiben. In den Fluten schwimmen Autos, Leichen, halbe Häuser, allesamt, als seien sie Fische, die schon immer da waren. Und gegen etwas tief in mir drin laufe ich unentwegt an.

Nachts, wenn die Träume beginnen, der Herzschlag versandet, stehe ich auf. Und in der letzten Strassenbahn schüttle ich, gleich einem letzten Zeichen, jedem die Hand: Victoria. Victoria. Gloria et Honor, Regina. Irgendwann wird euer aller Müdigkeit kommen. Versteht mich.

Dies war mein Plan. Es könnte sein. Er scheiterte. Wie Wasser, welches unser Schiff nicht trug. Sondern versickerte in Ritzen, die allüberall. Ich schreibe im Dunklen, damit keiner durchs Fenster schiesst.

Hase und Igel rannten wie bekannt um Leben und Tod. Und immer wenn Hase ans Ziel kam, war Igel schon da und sagte lächelnd: Ich bin schon - tot.

Es soll Leute geben, die noch niemals etwas bei einem Verlag eingereicht haben. Gar solche, die niemals - nicht einmal versuchsweise - einen literarischen Text geschrieben haben. Das erscheint mir überaus merkwürdig: Dass unter den vielen Menschen, die mir morgens auf dem Weg zur Arbeit in der Strassenbahn oder auf dem Fussweg begegnen, ein solcher sein könnte, der nicht beständig an Verlage einreicht und sich nicht jeden Abend, jede Nacht von seinen Texten quälen lässt. Eine wirklich belustigende Vorstellung.

Ist es das, was du liebst? Diese Lyrik kurz vor dem finalen Revolverschuss? Und gehst du deinen letzten Weg, wer klatscht am Rande, dich anfeuernd wie einen einbeinigen Läufer? Du bist nicht vorbereitet. Und hinter deinem Gehirn ist nichts von Dauerhaftigkeit.

Ich kann nicht mehr Wache stehen. Nicht mehr die Rundgänge machen, die all das Schlimmste verhindern. Meine Kraft ist am Schwinden, wie bei einem kriechenden Greis. Und meine Literatur-Einreichungen sind nichts anderes als Rückruf-Aktionen. Ohne dass ich je rief. Helft den Toten. Nicht den Lebenden.

Z diskutiert AC und ihre Lyrik, und ich kann nichts dagegen tun. Es ist all das so sinnlos und dennoch wahr wie eine Rückfahrkarte für einen Flüchtlingstransport. Ich mache etwas so falsch, dass es nur noch richtig sein kann.

Offenbar gilt all dies dem Vergessen. Also bin ich zerbrochen. Mein Hass wurde müde. Meine Angst eine Greisin. Ich habe kein Konzept mehr gegen P, A, I.

Absage einer Ag. (CH), Zusage einer LZ (1 Gedicht). Ich bin ein Boxer, dem sie ständig Keulen ins Gesicht hauen, um dann zuweilen mit dem Fächer zu wedeln. Nur hat man irgendwann alle Zähne verloren, und es kommt der Kiefer dran, zuletzt das Stirnbein. Dahinter ist nur: Graue Hilflosigkeit. München sitzt mir immer noch in den Knochen. Als hätten sie mich nach drei Tagen vom Oktober-Fest getragen.

Letzter Kaffee, letztes Essen. Zurück aus München, der Zerprügelung aller Hoffnung, tüte ich weiter mein Schreiben ein, ohne Glauben an all diese Dinge. Und schreibe auf Umschläge: Findet mich. Es gibt keinen Weg mehr.

Ich eigne mich nicht für Telefongespräche. Ich tausche das Schlimmste. Ein um das andere Mal. Ich wende die Angst, ich drehe den Hass. Und doch ist es immer derselbe Anblick von innen. Als würde ich neben mir, neben allem stehen ohne Weg in die Dinge hinein.

Nicht einmal zwei Wochen hat SF gebraucht, um meinen Roman abzulehnen. Beim letzten Roman waren es noch vier Wochen. Schlussfolgerungen: Ich bin doppelt so schlecht. Sie sind doppelt verflacht. Sie haben doppelt so viele Einsendungen. Ich bin doppelt so gut. Jedoch: Ein doppelter Herzschuss ist nicht effektiver als ein einfacher. Die Leichenstarre tritt sofort ein. Siehe erster Weltkrieg, französische Felder. All das reicht so oder so.

Ich muss mein Kind retten. Jeden Tag. Jede Stunde. Und komme immer: Zu spät. Zu spät. Zu spät. Dreifaltigkeit der Angst. Wir schweben am Tod wie die Fliegen am Klebfänger. Mir rieseln Staub und Erde aus dem Mund.

Sie teilten das Feuer aus, Kanister um Kanister. Sie gaben die Zünder, die Flamme des Stiches, die Haut aus Wunden. In keiner Welt deiner Tage wirst du bestehen. Töte nicht, bevor ein anderer es tut.

Keine Shortlist jemals für mich. Irgendetwas wie: Ewige Finsternis. Mein Mörder wurde vor 51 Jahren geboren. Ich heiratete meine Geliebte vor sieben Jahren. Ohne Sonnenbrille habe ich keine Augen. Ich werde, eines Tages, mit einem Schiff auf eine Insel fahren, und drei Kilometer auf allen Vieren den Berg hinaufkriechen, zur Kapelle der reinsten Jungfrau.

Ich habe keine Vergangenheit, keine Zukunft, keine Gegenwart. Die Schatten neben mir stehen fester als ich. Das Wasser des Regens hat mehr Blut als meine Seele. Ich bin ein Aquarell, in einen See getaucht.

Vor neun Jahren. Ich war in einer Besprechung. Dann kamen diese Bilder. Als hätte ein Film die Realität übernommen. Ich schrieb einen Roman deswegen. Damit nach zehn Jahren. Vielleicht. Doch es war von der ersten Zeile an aussichtlos. Die Verlage haben längst anders gebucht. Seit es den Buchdruck gibt, steht fest: Sie drucken mich nicht.

Am Abend weiss ich, ob du den Tag überlebt hast. Doch kommt ein neuer Tag. Wo bist du sicher? Wo ich? Welches Gesicht sieht du, selten genug? Als ich dir sagte, ich liebe dich, warst du nicht da.

Eines Tages wird alles nicht anders sein. Kein Essen zuvor, kein Trinken, der Bauchschüsse wegen. Sichtung der Verwundeten. Kein Weinen zudem, kein Krampfen, der Trauer wegen. Kennst du den Feldwebel, kennst du den Krieg. Ich liebe dich, ich liebte dich, ich war dein Sag-Mir-Gute-Nacht.

Jede Stunde ist es zu spät. Du kommst, wenn die Tat lange schon passiert ist. Du versuchst zu trösten, den Sterbenden zu sagen, dass die Lebenden auf sie warten. Dass sie zurück können. Doch dann siehst du doch wieder Mündungsblitze dir entgegen zischen. Das IV. Korps ist endgültig umzingelt. Nur der Kommandierende General weiss es noch nicht.

Der Ton wird schärfer. Wie oft noch? Wann kannst du schlafen? Dieses war nicht das Gute. Wann werde ich brennen? Ich greife in Steckdosen. Zeige dich. Es ist zu hell. Die Schatten fallen nicht. Hab mich verspätet. Verhalte dich unauffällig. Trieb-Industrie. Somit ergibt sich Hoffnungslosigkeit. Ich möchte erschossen werden. Bitte braucht mich. Ich gehe ins Heim für kranke Jäger.

Weniger Angst, weniger Glut, heute am Tag der Heiligen Catharina, Mitglied der Schwestern der Büsserinnen vom heiligen Dominikus, die all deine Versuchungen ertragen hat. Doch bleibt die Motivlage dieselbe. Und jedwedes Motiv neigt zur Fugierung: Altheit. Angstheit. Todheit.

Wo ist dein Mantel? Deine Hoffnung? Deine Schuld? Du kannst ein Gesicht nicht planen. Und nicht die Angst, den Totschlag, nicht den Hass. Und jede Stunde, die jener Flötenmann dir gibt, ist ein Geschenk, ein Fluch.

Wir haben keine Zeit mehr. Dämonen. Schatten. Altheit allüberall. Auf die Weihnachtsmänner zu warten, ist sinnleer. Den ersten Zug lässt du vorbeirauschen. Den zweiten gar auch. Trittst du dem nächsten dann gegenüber? Dann, wenn am Horizont der Mond fällt auf die Sonne? Du warst verloren von dem Moment an, an dem sie dich fanden.

Es ist der Tod, der dich in Händen hält. Und schüttelt, zärtlich, wie ein Kind. So vieles wird sich verändern. Ein Gesicht wird ein Grabstein. Ein Verdacht zum Töter. Und ja, Uniformen tragen doch in Deutschland heute alle. Ist es nicht so?

Kennst du die letzte Treue? Dass niemand jemals ging dir verloren? Das Garde-Korps schoss, bis die Kanonen im Schlamm versanken, und alle Kanoniere Legende waren. Doch der Teufel bei der grossen Armee, er lachte, dass sich die Balken der Segelschiffe verbogen.

Was bleibt uns noch übrig? Zu sein die Helden der Literatur? Des Alltags ohne Bomber? Wir haben die vor Hunger singenden Augen. Den Schmerz derer, die selbst des Schlagens nicht wert waren. Und nicht einmal Entlassungspapiere.

Mein Vater wird sterben, mein Kind, mein Bruder. Nichts kann ich dagegen tun. Das ferne Grollen der Artillerie, es klingt wie ein Gewitter-Donnern, das man in einen Sarg sperrte. Draussen schreien die Trainingshosen-Proleten, doch nicht einmal die Hunde bellen zurück. Ich finde auf der Strasse ein seltsames Gerät, sie sagen, es sei ein Kunstherz.

Es ist mit alledem ja nicht mehr zu rechnen. Ich bin der Körper für meine Angst. Und Schreiben ist eine Transformation von Bits, ohne Sinn, ohne Aussicht, ohne Lohn.

Faltenmann, hinter den Hecken, das Alter ist reich an so vielem. 3 Seelen inszeniere ich nun selbst, man muss dem Schicksal beim Absprung in die tonlose Tiefe ein wenig nachhelfen. Jeder ist seiner Katastrophen Schmied. Über meine Sinfonie werden sie lachen wie über alle Kasperl der Welt zusammen.

Totenstille allerorts. Niemand ruft. Niemand schaut sich um. Ich falle durch das Gitter. Kind, ich bin dein Name. Ich kann dein Grab nicht exhumieren lassen.

Grosse Abwärtsbewegung. In Quinten und Quarten. Seine Kraft verliess ihn, als das rettende Seil noch 1 m von ihm entfernt war. Ich bin eine Landstrasse, über welche die Planierraupen rollen. Ihr einziger Befehl lautet: Hin und Her. Vor und zurück.

Wir marschieren immer von neuem, jeden Tag, jede Stunde. Es sind immer wieder die gleichen Felder, die gleichen Dörfer, die gleichen Menschen, die uns begegnen, diese Kinder, Greise und Frauen, mit ihrem einzigen Blick, der sagt: Das Böse war vor euch, das Böse kommt mit euch, das Böse kommt nach euch. Wenn du das Gute willst, ist es Zeit, abzutreten.

Letztes Herz. Letztes Schweigen. Ich grabe mich ein. Das Kratzen an den Fenstern draussen, es wird ein Tier gewesen sein. Wo ist mein Kind?

Wir haben eine neue Theaterleiche, CS. Er war gut, er war wirklich gut. Wenn ich dahin ziehe, merkt es nicht einmal der Nachbar. Matrix des Scheiterns.

Ich eigne mich nicht für Telefongespräche. Das sicherste Kennzeichen für die Seriosität einer Agentur ist, dass sie mich ablehnt. Bücher sind Eimer für Texte. Das Web ist ein Friedhof, Zombies die dort am meisten verbreitete Spezies. Ich fange an, meinen Namen zu vergessen. Die anderen wissen ihn auch nicht.

Nicht dein Leben, sondern deine Werke halte ordentlich. Liebe deine Figuren, nicht deine Verwandten. Den Krieg hast du geschaffen für die Literatur. So vegetierst du dahin. Nichts anderes wolltest du doch.

Zuerst zerstören sie dein Bindegewebe, dann dein Fett, zuletzt deine Muskeln. Du kannst nicht gehen, nicht sitzen, nicht liegen. Du wirst ein sich wiederholender Schmerz, ein Schreien ohne Zweck und ohne Warnung. Gehst du zum Morphium, verlierst du dein Denken ehedem. Nie war eine Wahl schöner. Wenn das Augenlicht fortwandert, darfst du dich deine eigene Erinnerung nennen.

Ein bekannter Musiker sagt in einem Radiointerview, es sei sehr einfach, Preise von künstlerischen Wettbewerben zu gewinnen. Die eigentliche Schwierigkeit sei, danach dem Preis gerecht zu werden. Heilige Maria hilf. Ein solcher Satz hat den Erleuchtungsgrad einer zurückgebliebenen Zitrone. Ich sage: Die tatsächliche Herausforderung für Künstler ist diejenige, Preise NICHT zu gewinnen. Denn Preise feiern in neuen Schläuchen den alten Wein, an dem sich die Jury-Mitglieder berauschen. Ravel hat mehrfach vergeblich am Rompreis teilgenommen, und die, die diese Preise damals gewannen, sucht man lange in den Lexika von heute. Wie gerne hätte ich einen Preis.

So bist du der Wanderer, nachts, hinter dem Licht. Der einzige, der nicht fragte, nicht zweifelte, und somit scheiterte wie ein Herbstblatt im Sturm. Draussen beginnen die Lehrer den Schulgesang. Und all das Katzengejaule geht über in den Sirenengesang, wenn die nächsten Bomber in unsere Zimmer gleiten.

Wann kommt das Böse zu dir? Wo beginnt das Sterben deines Kindes? Was ist dein Ziel? Dass deine Nachkommen dich verfluchen? Deine Vorfahren dich schänden? Ich bin, was die Webhits angeht, wieder an der Nulllinie. War ich nicht selbst am Rechner und auf meinen Seiten, habe ich zwei bis fünf Hits am Tag. Robots, Cyber Criminals, Searchers, Foreigners. Das ist tiefer als ein U-Boot tauchen kann. Die Verschraubungen lösen sich bereits.

Es gibt etwas in mir, dass die Menschen abstösst. Ich rede wie sie, ich kleide mich wie sie, ich unterhalte mich wie sie, ich freue, lache, weine wie sie alle. Doch war ich bei irgendeinem zu einer Feier geladen, so war es meine letzte Einladung dort. Sie wechseln die Strassenseite, wenn ich entlang komme. Die Hunde knurren meine Schuhe an. Ich kann nichts dagegen tun. Ich war anders, bevor ich wusste, was das Gleiche ist. Die Einsamkeit ist mein treuester Freund. Und wenn mich jemand in der Strassenbahn nach den Fahrkarten kontrolliert, ist das wie Weihnachten für mich.

Die Hälfte meines Kindes ist tot. Ich muss mir wieder eine Geschichte ausdenken. Und möchte endlich aufwachen eines Morgens ohne diese Exkremente im Kopf. Und meinen Schmerz tauschen.

Andere waren schneller. Schöner. Hilfreicher. Vergeblicher. Das Böse riecht nicht. Gespreiztes Fleisch. Und immer wieder die Laternenlichter, die auf der Autobahn an mir vorbeirasen wie Leuchtspurgeschosse. Du kannst meinen Krieg nicht gewinnen.

Die weiblichen Jungtiere mancher Verlage ziehen an mir vorbei. Ich kann nichts dagegen tun. Eine Geschlechtsumwandlung meinerseits mit einer Verjüngungskur würde doch nur Frankensteins schlechte Kopie erzeugen. Ich bin seit Tagen mit mir am hadern, ob ich zum Audimax-Mint-Kurzprosawettbewerb etwas einreiche. Immerhin ist die Sendung mit der Maus in der Jury vertreten. Manchmal glaube ich, dass Literatur nicht mehr tiefer sinken kann. Doch dann kommt schon der nächste Wettbewerb.

Ich werde vorbereitet sein. Wenn sie kommen, mit blumengeschmückten Pferden und Kutschen, mich zu erkennen. Mich zu feiern, zu lobpreisen, zu beschimpfen. Denn dem Berühmten gehört der wohltuende Hass. Und sie werden nicht wissen, dass ich ein Anderer jemals war.

Das alles kann Regen sein, Wind, Erde. Dein Kind, das du verlorst, wurde Mutter, und gebar: Dich. In manchem Kreis bist du gefangen für immer. Es sei denn, in den heiligen Stätten hast du die Ablösesumme zur Hand.

Also, ich meine, niemand kann mich davon abbringen, dass es seit langem eine geheime Kartellabsprache zwischen der internationalen Strommafia und der internationalen Wasserkocherhersteller-Camorra gibt. Der Wasserkocher, den ich habe, kocht noch eine halbe Minute sinnlos weiter, wenn das Wasser bereits am Kochen ist. Erst dann stellt er sich ab. Wozu diese halbe Minute? Kochender als kochend geht nicht. Die Staatsanwaltschaften schicken mir Adressen von Therapeuten. So ist die Literatur.

Ich habe den letzten Zug noch erwischt. Mit einem Fleischerhaken hänge ich am hintersten Wagen, beide Beine auf dem Bahnschotter nachschleifend. Irgendwann merkst du auch den Schmerz nicht mehr. Du bist dabei. Auf der Reise in die Literatur. Wenn der Zug anhalten wird, werde ich umsteigen. Auf einen der vorderen Wagen. Kriechend, zur Not. Dann, eines Tages, wird der Zug langsamer. Die Geräusche gehen dir verloren. Wo ist der pfeifende Dampf? Hat die Lok einen Schaden? Nach Wochen des Stillstands dämmert dir, dass dein Wagen abgehängt wurde.

Auf die Erleichterung folgt der Schmerz, auf den Schmerz die Erleichterung, danach winkt die Trauer, sodann kriecht die Erschöpfung in die Glieder wie ein gusseiserner Egel. Danach wieder Schmerz, die Bestie Hass, der Dämon Wut, und alles geht, alles nimmt sich, was es braucht. Es gibt diesen Kreis nur für mich. Und auch dümple ich wieder bei 30 Hits a day herum. Wenn du das Web hast, hast du nichts.

Wen opfere ich? Es gibt keinen Ausweg. Ich bin ein Zoo, der sich die Angst hält. Doch hat die Bestie bereits die Gitter durchgebissen. Und ist die Angst mit meinen Knochen fertig, wartet die Schuld an den Toren.

Wenn aller Schmerz uferlos wird, alle Schuld, alles Versagen, wo bist du dann? Du kannst nicht gewinnen. Du kannst nicht entscheiden. Nicht handeln, nicht betteln. Lebe, sagten sie dir, und trinke das staubige Wasser. Vor 50.000 Jahren wurde ich Mensch, und bin dennoch ein Tier, tierhafter als alles Geschmeiss. Und niemand versteht die Flugsteuerung der Fliege, die ich erschlage.

Djamal. Wasim bin Yusuf. Sarina. Alberto. Sie lebten nie. Sie starben nie. Ich bin ein alter Mann aus Eisen. Ich bin ein alter Mann aus Eisen. Ich bin ein alter Mann aus Eisen. Und mein Kind kam schon mit einem künstlichen Herzen zur Welt.

Ich finde mich nirgends. Wo ich gewesen, die ans Ende gezeigerte Uhr. Kommst du zum Vater, kommst du zu mir. Alles ist Hülle, Verscheidung, Verklebung. Der Erlöser kann nicht zurücktreten. Das Kreuz Christi war eine schlechte Schreinerarbeit.

Ich kehre nach Hause. Alles ist so tot wie vorher. Meine Stadt ist ein Sarg. Und das "KZ Danach" ruft immer noch. Absagebriefe. Aus verschiedensten Gründen. Leider und dieses Bedauern. Nur mein Virenscanner-Update ist treu und voller Ideen.

Ich bin auf Urlaub. Doch weiss ich nicht, ob die Wiederkehrenden mich jemals erkennen werden. Ich suche immer noch im Keller meiner Eltern nach einem Zettel mit einer Telefonnummer, den ich vor 27 Jahren verlor.

So hast du den Tod später für deine Dinge. Für dein stümpfernes Spielen. Die Experten, die nun in jedem Sender ihre Fachmeinungen abgeben, sie nützen nun auch nichts mehr. Unser Sterben ist geplant seit dem Entwurf dieser Welt. Es geht nur um die Modalitäten. Doch dreihundert Jahre nach meinem Tod schickten sie mich erneut. Ich kann nichts dagegen tun.

Schreib nicht über dieses. Duisburg 24. Juli 2010. Wir hatten Ramstein. Eschede. XYZ. Nun DU. Es ist zu schlimm für die, die es erlitten, und zu schön für die anderen, die sich in Betroffenheits-News ergehen. Steine im Magen. Wann, wann, wann wird der Unglücksengel die deinen zerfetzen? Er wartet, dort, wo du nicht bist. Jeden Tag diese Zeilen, und doch das Gefühl, es stetig schlimmer zu machen.

Kein Brief. Kein Anruf. Kein Zeichen. Nicht ein einziges. Eine Mailbox kann sehr grausam sein. Man sitzt an einem Fluss und hält die Beine ins Wasser. Und merkt nicht einmal, wie einem die Fische an den Beinstümpfen fressen.

Meine Stadt ist dunkel. Schon gegen ein Uhr mittags scheint die Sonne sich zu verausgaben. Arabische Banden bis in die Innenstadt hinein. Kein Geld für nichts. Wir haben mit allem zu lange gewartet. Nur wer neben einem Verwesenden liegt, hat irgendwann genug gewartet, und dieser Geruch ist weg. Ich halte mich mit I, P, A über Wasser. Rätsel für Gebetsmühlen-Besserwisser: P findet man mit I, A ersäuft P, I und P zerstören die Augen. PIA die heilige Dreifaltigkeit.

Alle diese Kriege, die ich angezettelt habe, all diese Kämpfe, Apokalypsen, eschatologischen Schlachten, sie waren vergebens. Ich stehe in einem verstaubten Zimmer, das einst verzaubert war, und jetzt nur doch das Scheitern beherbergt. Und mein Versagen, dem einen Menschen eine Geborgenheit zu schenken.

Kein Messer, kein Eisenstrahl in meinen Rachen gedrückt mit bitterer Lust ist so grausam wie dieser eine Schmerz, dieses eine Versagen, wenn ich auf dem Balkon stehe allein: Ich und du, ich und er, ich und es. Wo bist du, dann, wenn alle Gräber lange geerdet, geglättet sind?

Das Schreiben hat keinen Sinn mehr. Ich führe noch mein Theaterstück auf, vor den Katzen der Nachbarschaft. Dann wird es gut sein.

Was ist dein Tagestod? Dein tägliches Sterben? Ich muss keine Rücksichten mehr nehmen. Sie lehnten meinen Roman ab, weil ich nie dort gewesen sei. Wie kann ich gewesen sein, was vor zweihundert Jahren war? Und dennoch war ich dort. Als wäre ich selbst das Kind gewesen, das vor zweihundert Jahren an seinem Halseiter starb.

Jeden Weg, jeden Schritt muss ich zurückgehen. Jeden Text, jedes Wort, jeden Buchstaben zurückschreiben. Bis dass ich habe: Die leere Seite. Das weisse Stück Papier mit dem Nichts. So wie ich vor 30 Jahren anfing. Bevor sie mich: entarteten, beratschlagten, in die Toilettenschüssel drückten.

Wann werde ich essen? Wann trinken? Mich wärmen mit einer Decke? Es ist, als reiste ich zurück in eine Zeit aus Hunger, Durst und Kälte. Ich bin das Kind, dessen Augen zu gross werden für ein Stück Brot. Warum das alles? Würden sie Leben entdecken auf einem anderen Planeten, was würde das Feuilleton sagen? Dass es auch dort Hunger gibt und Klug-Exkrementierer? Ich weiss nicht mehr, warum ich die TOCS of LZen lese. Und überhaupt: Wie werde ich schreien an jenem Tag aller Tage?

Wir veranstalten Versammlungen. Wir atmen durch. Wir schreien, reden, verurteilen. Das Mass ist voll. In der Presse wird durch unsere Streuung publik, dass die Vertreter eines Finanzinvestors, der an den katastrophalen Deals beteiligt war, für ein Geschäftsessen 3000 Euro abgerechnet haben. Für sieben Leute. Allein Wein für 700 Euro. Und das Land hat gezahlt. Mit all diesen Geldscheinen werden sie ihre Armstümpfe zukleben müssen.

So weit draussen bin ich, dass selbst Neptun, Pluto, Planet X näher am Literaturbetrieb sind als ich. Sie lachen mich aus, weil es etwas zu lachen gibt. Sie schauen an mir vorbei, Blicke wie tödliche Schwerter, die für das Vorbeistechen gemacht sind. Mir bleibt nichts anderes übrig, als jeden Tag in die Schwefelmine zu gehen und zu arbeiten, und abends an meinen Texten zu schreiben. Doch ist mein Gesicht so gelb wie die Glühbirne in meinem Zimmer. Ich habe die falsche Farbe. Das falsche Schreiben. Das falsche Reden. Die falschen Briefe. Alles an mir ist falsch.

Welchen Text habe ich noch? Wohin geht meine Zeit? Die Nacht war so heiss wie der Tag, es ist, als ob die Sonne gelernt hätte uns mit der Erdrotation in den Abend zu folgen. Schwarzes Licht. Schwarzkörperstrahlung. Wenn das Licht schwarz wird, sollte man seine Füsse nicht anschauen. Die Gravitation ist ein schlechter Führer im Fall des freien Falls.

Ich habe ein wenig Zeit noch. Die verheerenden Gewitterstürme sind erst für übermorgen angekündigt. Bis dahin haben wir Zeit, die Rohre zu befestigen und den Kern herunterzufahren. Gnade uns allen, wenn uns dies nicht gelingt. Man kann eine Wasserkernverschmelzung nicht aufhalten, wenn sie einmal in Gang gekommen ist. Die Erbauer der Nuklearbombe wussten bis zum ersten Test nicht wirklich, ob nicht auch die Luft anfängt zu brennen. Wo wäre dann das Ende dieses Brands gewesen?

Es gibt keine grössere Distanz als das Gesicht einer Sechzehnjährigen. Sie lag im Sterben, doch ich konnte ihr nicht helfen. Es wäre als Aufdringlichkeit gewertet worden. Manchmal ist der Tod angenehmer als Hilfsbereitschaft. Ich weiss nicht, wer mein Vater ist. Wer meine Mutter. Wer meine Kinder. Ein kleiner Verlag in meiner Heimatstadt möchte das ganze Manuskript sehen. Die erste Aufforderung dieser Art seit zweihundert Jahren.

Wann unterläuft dir der entscheidende Fehler? Wann übersiehst du den Mann an der Ecke? Die Frau mit dem Kinderwagen. Den Blocker. Den Störer. Bis du hilflos abgeführt wirst. Jene Agenten sind deine Propheten. Ich suche nach Kniestrümpfen. Ich suche die Welt. Ich suche das Fleisch über dem Fleisch. Dort, wo die Vergebung ins Kerbholz haut wie eine stumpfe Axt in die Hand.

Es ist, als ob sich unter uns seit Monaten ein Erdbeben vorbereitet auf seinen grossen Tag. Die Strassen, Marktplätze, Betonflächen brechen langsam auf. Zuerst sind es winzige Risse und Schlaglöcher, dann Schützengräben, zuletzt Trichter wie von 15 cm Granaten. Die Fahrkartenautomaten in den Bussen werden so durchgerüttelt, dass sie nicht mehr funktionieren. Natürlich steigt in der nächsten Haltestelle der Kontrolldienst dazu und kassiert trotzdem das, was sie erhöhtes Fahrentgelt nennen. Ganz sicher werden die Verlage und Literaturzeitschriften mir heute mitteilen, dass sie mich drucken. Es gibt keine andere Möglichkeit. Man kann einen Hund nicht ewig prügeln.

Man muss die Parteispitze, so klein sie auch ist, von diesen Anfängern und Kleindenkern säubern. Knorrmann fliegt raus, er ist ein Esoteriker. Der andere wird als Ehrenvorsitzender kaltgestellt. Ich male in unserer nächsten Versammlung eine Utopie unseres Vorhabens in breiten Farben. Mond und Sonne werden sein unsere Augen. Das Meer unserer äusserster Mund. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.

An einem anderen Ort. Dieses Kind kehrte niemals zurück. Es winkte lediglich. So wie die Weisen. Mit schütteren Händen. Ich habe nur noch den Hass auf mich selbst. Solcherlei ist: Eine Fondsanlage mit monströser Rendite. Aus Sicht der Literatur.

Irgendwann werden sie deine Ideen gehabt haben. Kindgreis. Totensucher. Leutnant ohne Kind. Sarina. Figuren allüberall. Wir haben noch Zeit. Newsletter und Mahnung. Zwei Nachrichten sind keine. Es ist so heiss draussen, dass die Krankenwagen inmitten unserer überalterten Gesellschaft nicht nachkommen. Ich habe alle Schlüssel ausprobiert. Ich komme nicht rein.

Einst war ich ein Forscher, zu ergründen die Zusammenhänge der Welt. Sogar in ein Yearbook haben sie mich aufgenommen, als einer der besten 50 wissenschaftlichen Publikationen meiner Disziplin unter 2000 anderen. decode_pseudonym(Wehlim) et al. Ich dachte in Papers, Conferences, Meetings, Presentations, Fundings. Ich war ein Stern, der versank. Publish or perish. Ich verschwand. Die Forschung vergass mich. Die Literatur kann mich nicht vergessen, denn ich war niemals bei ihr.

400 km muss ich fahren, und bin doch ein Handelsvertreter auf verlorenem Posten. Kaum kann ich meine Augen offenhalten. Meine Korrespondenz besteht aus: Eingangsbestätigungen. Absagen. Mahnungen. Inkasso. Wer sind die Inkasso-Unternehmen der Literatur? Man kennt sie nicht und doch sind sie da. Das Mittelmass der Kritiker und Juroren lässt nur das Mittelmass der Autoren nach oben kommen. So ist es gut. Ersticke das Kind. Ich jedoch verlor mein Kind, bevor ich es je sah. Leben ist eine Grundschuld.

Es ist dies alles eine einzige Litanei von Kontrollversagen, Bestechlichkeit, Unfähigkeit, Geheimkonten, Beschwichtigungsreden usw. Das BP-Desaster im Finanzbereich. Der habe gesagt und so und diejenige das usw. Nach unserem Aufmarsch haben wir über zweihundert neue Mitgliedsanträge bekommen. Wir werden ein grosser, sich artikulierender Körper. Politik ist das Gemetzel von Körpern, die ihre Seelen nicht mehr halten können. Und draussen warten die Seelenfänger, ruhig und mit Abfallsäcken. Wir haben so viel Schlaglöcher auf den städtischen Strassen, dass man keine Probleme mit Biertischreden hat.

Absagen, nur Absagen, als würde ich gar nicht schreiben. Und ein Ende, als hätte ich nie gelebt. Man kann Uncle Death beim Pokern nicht übers Ohr hauen. Wo ist mein Atem?

Der Preis, den ich zahlen lasse, ist zu hoch. Die U-Boot-Kinder, die wir an den Ausguck binden im Atlantiksturm, ertrinken kistenweise. Immer will ich einen Angriff sehen. Damit ich weiss: ICH lebe. Immer ICH. ICH. ICH. Nichts Grausameres gibt es als den eigenen Egoismus. Um wieviel einfacher wäre es, dem älteren Bösen gegenüberzutreten und sich niederstechen zu lassen. Erlösung. Ich brauche Erlösung. Das Spekulantentreiben geht weiter.

Ich verliere meine Augen. P, I, all das zerstört sie. Himmelsbriefe nutzen nichts mehr, selbst die Engel sind ratlos. Schaut man aus dem Fenster heraus, wenn ein Kind vorbei geht, kommt schon der Notruf. Ich scheuere die Strasse entlang wie ein ja was. Ja wie, ja was, ja wo. Das sind die drei Grundfragen der Poetik. Die erste ist die Schwierigste. Ich muss nicht alles erklären. Sie hätten mich damals im Irrenhaus erschiessen sollen. Gestern war ich in einem Supermarkt, der einem Obdachlosenheim glich. Die afrikanische Kontinentalplatte hat sich auf Europa geschoben. Wir haben es nur nicht gemerkt.

Ich stehe am Ende der Wand. Diejenigen, die auszogen, die Könige zu krönen, haben einen anderen gefunden: Jung, martialisch, bestienhaft. Eine ganze Strassenbahn versank heute in einem vergessenen, eingestürzten Katakombengewölbe. Es ist, als würden die Schädel von damals die Trinkgefässe von heute werden. Blut ist eine Ritzenflüssigkeit. Ich räume die Mülltonnen raus. Wie gerne sähe ich darin alle Hunde aus unserer Strasse.

Letzte Müdigkeit, letztes Schreiben, letztes sich Abquälen mit der Vermeidung des Unvermeidlichen. Kein Chirurg wurde dafür jemals geboren. Der Kessel von Falaise ist zu. Und drinnen sind Jugendliche, denen das Kartenspiel aus der zerschossenen Brusttasche fällt. Es hätte sein können: Ich selbst. Du. Er. Grammatik ist emotionslos. Es gilt der Fall, der gilt.

Wir kamen nicht weiter als bis zur Hauptstrasse. Schüsse. Schatten. Polizei. Sirenen. Die Musik der Politik. Zwei Geschäftsführer und drei Finanzjongleure wurden verhaftet wegen Bestechung, Unterschriftenfälschung etc. Damit sind die Verträge vermutlich ungültig. Und unsere Aussichten geschwunden. Die Politik braucht das Böse an der Macht, um vorwärts zu kommen. Wenn das Böse wieder zahlen kann für die Bürger, ist es nicht böse. Ich habe einen Knoten in der Brust. Muss man abklären, sagt der Arzt. Meine Zeit schwindet. Es sind noch drei Romane: Tunnel, Längster Weg, und: Reich, mein Reich, über den Horizont hinaus und wieder zurück. Vielleicht über die Chiffre der Eisenbahnzüge. Die Geschichte des 20. Jhd ist die der Eisenbahnzüge.

Wer ist das, der Big Brother des LB? Wen quartieren sie ein, lassen sie oder ihn vorlesen, um dann alles zu zerstückeln wie eine Tomate? Wer duscht nackt mit wem über der Prosa, der Lyrik? Der BB/LB ist ein Rohrkrepierer, aber du musst ständig nachladen, zünden, feuern, auf dass du vor deinem Ende endlich diesen Unterstand per Volltreffer zerschlägst. Diesen Unterstand, aus dem sie rufen, unentwegt: Du bist vergessen, und: Du kannst gar nicht schreiben. Und immer dieses eine, das eine innere Stimme dir sagt: Ich fühle mich nicht sicher. Ich bin verloren. Streust du die Asche, kennst du den Wind.

Es macht dies ja alles so überhaupt keinen Sinn mehr. Ich renne einer Selbstversorgungs-Karawane her, die ich nicht einmal sehe. Das F ist voll von Autoren etc., die sich mit Verlag S herumschlagen und in ihren Romanen antworten auf andere Romane und Dinge, die von mir so fern sind wie die Bergpredigt von einer Kaulquappe. Ich bin ein Schreibsoldat, über den ein Panzer rollte, bevor ich den ersten Schuss abgab. Es macht KEINEN Sinn mehr.

Wir werden marschieren. Mitte der Woche. Route, Teilnehmer etc. stehen fest. Die Plakate sind gedruckt. Auch der Gegner ist rege. Sie drohen uns mit Gerichtsprozessen, mit allem, was ihre Rechts-Kiste zu bieten hat. Doch hat der Weg des Rechts immer den Nachteil, dass das Unrecht schneller ist. Wir werden ein Häuflein sein, das vom Platz der Arbeit zum Rathaus zieht. Es geht nicht um Meinung oder Gegenmeinung. Es geht um In-den-Medien-sein. Die Welt der Kontrollleuchten kennt keine Zuversicht.

Wir hatten nichts ausser diesem Krieg. Ich sitze auf dem Präsentierteller des Bösen. Doch ist die Lage durchaus ernster. Wann wirst du verbrennen?

Ich schleppe mich in den Tod. Ameisen im Kopf, als wären es Hunderttausende. Für die zweite Vorrunde des Münchner Lyrikwettbewerbs bin ich ausrangiert worden. Keine Hektik also. Keine Wahrnehmung. Nur langsames Verenden als Schreiberling unter den Schreiberlingen. Der Weg geht nach Osten. In die Abgründe der Asiaten. Nun haben sie afrikanische Zustände in Usb / Kir. Wir importieren wieder Kindergesichter.

Ich war so sicher. Als könnte es gar nicht anders sein. Doch so ist es eben: Das Gegenteil vom Gegenteil tritt ein. Viel bleibt auf dem Boden der Tatsachen nicht: Um Gnade betteln. Einschlafen. Bin ich es, der so krampft?

Irgendwann schlafe ich ein. Im Sperrfeuer des Vogelgesangs. Ich habe alle Punkte, alle Grenzen lange überschritten. Der Weg zurück ist nur der Weg nach vorne. Ich lebe ein rückwirkendes Leben: Vor vielen Jahren war ein Tag, ich lebte. Mehr weiss ich nicht. Und wunderbar ist es, wenn Kinder ihren Eltern aus dem Gesicht geschnitten sind. Doch was wird sein, wenn das Messer tiefer geht? Mein Kind ist dort, wo niemand ist.

Wenn alle Zeilen zwischen den Zeilen, alle Zeichen hinter den Zeichen, alle Worte und Laute jemals richtig waren, dann war ich vom Anbeginn der Zeit, seit dem Präkambrium meiner Biographie, verloren. Ein Verendeter vor aller Geburt. So wie ein Krötenei vor den Nüstern eines Baggers. Alles was ich tun konnte, war Schuld aufzukaufen, anzuhäufen, die Wände empor zu stapeln, bis eine Regalkante auf einen Kinderschädel aufschlägt, tödlich, lautlos, endgültig. Und das Grausamste an all dem ist: Anders könnte ich nicht leben. Angst ist das Brot, das ich esse, und Schuld das Wasser, das ich trinke.

Es hat keinen Wert, wenn wir als Kleindebattier-Klub in einem Hinterzimmer unsere Wut beschwören. Wir müssen die Wut nach aussen tragen. Die Anzugsträger hatten Jahre Zeit, die Dinge zu regeln und die Finanzbandidos zu zähmen. Doch sind unsere Konten ausge-x-x-t, das Geld rauchlos verbrannt, es muss ein Ende haben. Zum Entsetzen unseres kümmerlichen Vorsitzenden organisiere ich einen Marsch zum Rathaus für nächste Woche. Man muss uns wahrnehmen, nicht lieben.

So könnte ich die Toten auferstehen lassen, einzeln, in Reih und Glück, sie umarmen, und ein glückliches Leben ihnen schenken. Das spielende Kind, dem ich aus einem Buch vorlese, die glückliche Frau, all das ist unter dem Himmel gesehen worden. Doch lieber vegetiere ich in meinem Zimmer dahin, bemerke, dass ich ein Trauernder bin, der jeden Morgen mit einem Messer im Kehlkopf erwacht. Und all dieses nur für das Schreiben, diese Figuren, die ich hasse, weil sie nicht aus meinen Romanseiten heraussteigen, um mich zu erlösen. Der Sinn des Leids ist, dass das Leben nicht kitschig wird.

Ich mache meine 983. Einreichung fertig und bringe sie zum gelben Sinnlosigkeitskasten. Es gibt ja keine andere Möglichkeit mehr als diesen Weg zu Ende zu gehen: Schreiben, ergebnislos einreichen, schreiben. Bis dass der Tod den Körper von der Texten scheidet. Das einzig Beruhigende ist, das LS in der neuen Spritz wieder den allgemein verbreiteten und ermüdenden Lyrik-Hintereinander-Weg-Aufklatschmodus zelebriert. Ich kann es eigentlich nicht mehr hören. Und das ÖL von BP kommt bereits aus meinem Wasserhahn.

Aus meinem Kopf läuft das Wasser. Aus den Schläfen, hinten, aus dem Mund. Nachts um vier kehrt manchmal Ruhe ein, und ich kann ein wenig schlafen. Überhaupt ist es mit dem Schlafen sehr schlecht: Nur wenn es hell ist, der Strassenlärm, das Schreien der Schuldkinder beginnt. Als würde erst die Ruhe die Dämonen in mir zum Klingen bringen.

Ich trete nun dieser Partei bei. Heute habe ich den Antrag im Internet ausgefüllt und abgeschickt. Es ist ja dies ein ganz kleiner Haufen, der nur belächelt wird von der grossen Politik. Und alles insgesamt ein Experiment, real, virtuell und schreibtechnisch. Doch wird man sehen. Ich kürze den ganzen Abend Sätze.

Die Demographie ist endgültig im Literaturbetrieb angekommen. Nachdem Jahrzehnte lang die Jungen mit Preisen überhäuft wurden, um sie zum sinnlosen Schreiben zu animieren, gibt es jetzt die ersten Wettbewerbe für das Jenseits-Segment: "Sweet fifteen - noch einmal fünfzehn sein!" (Alter: 70 Jahre und älter). Ferner: Preisausschreiben der Stiftung Kreatives Alter (Alter: 65 Jahre und älter). Es ist das alles so sinnlos und lächerlich wie der Literaturbetrieb an sich. Schreiben hat kein Alter, nur eine Sehnsucht. Und es ist kein Wettbewerb, sondern ein Schmerz. Es widert mich alles so an. Als Gott die Sprache erfand, dachte er nicht an die Schreiberlinge. Und womöglich bin ich selbst einer von ihnen. Das ist das Grausame an der Literatur. Du weisst es bis zuletzt nicht. Du weisst es nie.

Es gibt keinen Weg. Ich bin ein Haufen Fleisch, den man an die Ecke kehrt. All das macht keinen Sinn. Und der Teufel kreuzt in seinem Frankenstein-Labor Schuld mit Hass, Schmerz mit Hoffnungslosigkeit, und wartet lächelnd auf das, was seinem Reagenzglas entschlüfpt.

Es war ein Kind vor dir. Vor deiner Zeit, als alles Hoffen dann versagte. Und immer sah ich in den Blicken meiner Eltern, wenn ich spielte, hüpfte, schrie, den Blick zurück: Wo bist du? Wer nahm dich an der Hand?

Ich beobachte mein Herz. Leichte Schmerzen linke Brusthälfte. Immer mal wieder. Uhrzeit sekundär. Grauen im Heranschleichen. Ich rufe so wenig den Arzt wie der Papst den Teufel oder Winnetou die Heilsarmee. Es gibt ein Sterben, das sein muss.

Es wird nun sehr sehr gefährlich. Eines Tages wird dieser Blog mein Untergang. Und ich werde enden wie meine Romanfiguren: Tot in einer Blutlache liegend, schuldig, einsam, unfähig. An der Entfaltung meiner Begabung hinderte mich: Das Fehlen der Begabung. Ist es nicht so? Deepwater Horizon in meinem Zimmer.

Heute abend war ich auf der Mitgliederversammlung einer winzigen Partei namens "Wir zahlen nicht", deren einziger inhaltlicher Programmpunkt darin besteht, im Rahmen des Finanzskandals, der unserer Stadt mehrere Millionen Schulden eingebracht hat, keine Zahlung an das Bankenkonsortium zu leisten. So sehr ich inhaltlich konform damit gehe, so sehr unterliegt diese Partei einer einzigen Vereinsmeierei, die niemals und nie zum Ziel führen wird. In einer Abschlussdiskussion artikuliere ich dies auch lautstark. Und gehe mit einem mir vom Vorsitzenden in die Hand gedrückten Aufnahmeantrag nach Hause ...

Dieses war nicht das Gute. Schlimmes Warten. Niemand schaut meinen Müll durch. Wer hat dich gesehen? Ich lösche mein Kind. Ich bin ein Feuer ohne Asche, ohne Wärme, ohne Hass.

Ein Finanzskandal ungeheuren Ausmasses erschüttert unsere Stadt. Fast biegen sich die Häuserwände vor Schmerz und Hohn. Es ist von einer halbe Milliarde die Rede, die auf die Stadt zurollen und womöglich gezahlt werden müssen. Eine ganz kleine Clique gewissenloser und zugleich verbrecherischer, gieriger Finanzjongleure hat der Stadt langfristige Verträge aufgeschwatzt, die de facto Kreditrückversicherungen und Wetten auf Kursverläufe sind. Der Schadenfall ist nun eingetreten, die Stadt soll zahlen. Farbloser überforderter Bürgermeister, trotz drei Wochen Spanien. Mein Hauptmann sagt, ich soll einmal zu einer neugegründeten Partei gehen, die in einem unseren Kneipen tagt, mit dem Namen "Wir zahlen nicht", und Meldung machen.

Mich wird niemand mehr entdecken. Es ist hoffnungslos. Meine Briefumschläge, die ich verschicke, sind aus Leichentuch. Je mehr ich versende, desto weniger liest man mich. Sie sollten das Schreiben unter Todesstrafe stellen. Dann, vielleicht, hätte ich eine Chance.

Ich beginne mit dem Einlagern von Konserven. Alles Geld wird verfallen, alle Zettel, alle Papiere. Wir sind das Byzanz des Geldes, und die Mauer wird brechen, endgültig, unwiderruflich. Man kann Zahlen nicht spritzen.

Die neuesten Ausschreibungen sind da, grausamer als je zuvor: Kurzprosa zu Hartmut und du (mit S. Fischer-Lektorin in der Jury); Kurzprosa zu Ich und mein iPhone; Kalendergeschichten zum Thema Essen, Gewinner erhalten je ein Paket mit Bio-Lebensmitteln. Nur kann ich nicht komponieren.

Welcherlei Art ist der Buchstabe S? S: Schreibern. Schreiberlinge. Schreibfeen, blond und jung, die mich links überholen auf der Schreibautobahn. Schmerz ist eine Chiffre. Scham fängt über den Augenbraunen an und endet im Mund. Satan ist ein Kind über allem.

Wer hat die Verwertungsrechte an der Weltgeschichte? Ich bediene mich aus Geschichtsbüchern wie ein Bauer am Misthaufen. Stendhal soll auch nicht gross erfunden haben. Ein Anwalt sagt mir, wenn ich ein Buch kaufe, impliziere das noch nicht notwendigerweise das Recht zum Lesen. Aber das Recht zum Reinstellen ins Bücherregal. Immerhin. Gehe ich über den blühenden Spielplatz, werde ich als PP erschossen.

Dann ist es eben so. Seit Jahren stehe ich an einer verrosteten Weiche und versuche mit Hebeln, Eisenstangen, blossen Händen die Fahrtrichtung des auf mich zudonnernden Zuges zu verändern. Ich werfe das Werkzeug weg und setzte mich auf den Bahnschotter. Legt man das Ohr auf eines der Gleise, hört man dieses wunderbare ferne Summen. Als würden Maschinen ein Lied singen.

Bei Nacht die Grenze. Was hast du noch von allem? Offenbar. Lass es uns. Es ist kein Lied in allen Dingen mehr. Nur dieses Röcheln alter, erstickender Kinder.

Die Komponisten haben es besser, auf ihre Art. Sie können alles auflösen, Harmonie, Rhythmus, bis hin zum Ton. Und verharren andachtsvoll beim Geräusch. Bei uns ist das Wort die Grenze, weil wir an der Sprache kleben wie eine Fliege am Leim. Das Theater gurgelt manchmal weiter draussen vor der Tür herum, doch wird die Prosa immer an dieser Ecke hängen bleiben. Und die Lyrik trotz einiger neurologischer Auffälligkeiten auch.

Wie blogge ich einen Toten? Das Web ist ein einziges Leichenschauhaus. Morgen schicke ich die Tage des Kalifats an die erste Agentur. Mit dem Bösen das Gute zu erschaffen: Der ewige Traum der Diktatoren und der Schriftsteller. Ich kann nicht mehr.

Wir leben nur noch aus unseren Augen. Wir spüren nicht mehr den Atem der Haut, wir riechen nicht mehr, wir hören nicht mehr. Wir sehen nur neue, immer bessere Bilder. Wer keine Augen hat wie Götter, kann nicht arbeiten. Doch wurden unsere Augen nicht für diese Art von Sehen gezeugt. Wir haben die Augen von Jägern, nicht von Starrenden. So wird die Blindheit stehen am Ende allen Sehens.

Jeden Tag kommt mein Scheitern zurück. In Umschlägen als snail Mail, als Leider-Email. Auch meine Website-Statistik, nach den Tagen der Münchner-Lesung phasenweise auf fast 500 Hits pro Tag hochgeschnellt, dümpelt nun wieder wie ein Fischkutter um die 50er-Linie herum. Vergessenheit beginnt bei 30 Hits pro Tag (Web Robots und ich selbst), die literarische Leichenstarre bei 10. Die Nulllinie, wenn das Bank-Konto leer ist. All unser Sterben ist gerade.

Ich starre auf Monitore. Als sei ein Bild die Vergebung, das Paradies. Stunde um Stunde. Starren, wo die Nacht ist. Doch kommt schon der Tag. Ich kann es nicht stoppen. Ich habe das Gefühl, ich krieche, ich fliesse jeden Tag, jede Minute ein Stück mehr in meinen Rechner hinein.

Ich gehe nicht mehr hinaus. Ich habe keine kalte Milch mehr. Ich greife in Steckdosen. Es wurde am 30.10 auf der Flucht erschossen: Bruno L. Das Gegenteil von Herzlichkeit heisst: Katze. Von Glück: Autor.

Ich unterteile meine Müdigkeiten. Beinmüdigkeit, Brustmüdigkeit, Augenmüdigkeit, Kopfmüdigkeit. Man kann sie kombinieren. Sie sind untherapierbar. Jedes Schlafen verstärkt sie. Was also dachtest du? Die Kesselschlacht von Tscherkassy tobt unentwegt. Wir haben kein Pervitin mehr.

Man kann als Autor nicht einfach zurücktreten. Man kann sich die Hände abhacken, die Zunge ausbrennen, jedoch niemals zurücktreten. Selbst wenn man als Torso in einem Bett liegt, ohne Gliedmassen, ohne Wärme, ohne Wasser, ist man am Schreiben. Es ist ein Fluch, doch die Hexe, die ihn aussprach, ist geflohen in ein Land, mit dem kein Rechtshilfeabkommen besteht.

Wie immer, wenn ich ratlos bin, suche ich nach meiner Vergangenheit. Krame im Internet nach alten Lehrern, alten Erinnerungen. Wer ist schon tot? Wer hat noch nicht? Seit ich sieben bin, habe ich Angst, dass meine Vergangenheit bereits länger sein könnte als meine Zukunft. Irgendwann allerdings wird es für jeden so sein. Dass die Zukunft abbricht wie eine Steilklippe und man nur noch hinter sich blicken kann. Und ich habe jeden Tag dasselbe Gefühl: Übermorgen stehe ich an dieser Klippe. Wenn nur der Wind nicht stinkt.

Wer hat die Rechte am Bösen? Kann das Böse auf Schadensersatz klagen? Kann es dich abmahnen, auftreten im Gewand des Inkasso? HGGH, die vier Säulen des Bösen, zwei von ihnen schrieben, einer führte einen Kalender, der tiefer hinabreichte als jemals ein Kalender zuvor. Ich bediene mich. Ich werde vorbereitet sein, wenn alle Tage, alle Stunden sich zu Ende zählen.

Eine meiner in Familie und Firma berüchtigten Halbgrippen hält mich wieder in Beschlag. Schwere Beine, als hätte man Hufeisen an meine Füsse genagelt. Der ganze Kopf nichts Halbes, nichts Ganzes. So ist es immer: Alles an mir ist halb. Ich bin ein Halbschriftsteller, ein Halbdeutscher, ein Halbgott, ein Halbaffe. Niemand hasst mich aus ganzem Herzen. Eine halbe Stufe kann ich noch fallen, dann bin ich am Öltank. Und der Feind glaubt noch immer, wir kommen durch diesen Wald nicht hindurch. Wir können nur noch siegen, es gibt gar keine andere Möglichkeit.

Der MDR-Literaturwettbewerb hat die sieben finalen Zeichenketten ins Internet gehängt. Fundamentale Sätze wie "Ich selbst verdiene wenig Geld und mache wenig Kunst, ich bin tendenziell ein nicht sehr glücklicher junger Mann." Es handelt sich um eine schlichtweg völlig neue Art von Literatur.

All unser Scheitern war: Erfolg. All unser Tod: ein Sieg. All unser Versagen: ein König. Ich liebte dich, ich liebe dich, ich war ein Schema nur, das flackerte im Hexenfeuer. Das Kalifat muss laufen über den Zirkus. Ich setze nicht ein Komma mehr in diesen Text. Seit heute greifen wir an, es gibt keinen Weg mehr zurück.

Es gibt immer Möglichkeiten. Nun, nach diesem Bericht, dürfen Sie auch Ihre Rechte kennen. Ich bin der Vorsitzende. Autorendasein ist Darstellungs-Theorie. Nicht herzverfettet. Nicht urämisch, dass dich der eigene Atem erstickt. Dieses, dieses war der tödliche Fehler. Viel eher hätten wir kapitulieren müssen.

Zwanzig Jahre nachdem ich mit diesem Roman begonnen habe, druckt eine Literaturzeitschrift einige Auszüge aus Zweierlei Krieg. Wärmestrahlen einer unsichtbaren Sonne. 830 Verlage haben mein Exposé bekommen, 830 haben abgelehnt. Eher würden sie Hundehaufen drucken.

Also ist es geschehen. Ich gehe durch veränderte Räume, verdunkelte Strassen, nur die Hunde bellen sich wie immer ihren Kot aus dem Leib. Ein ganzer Roman wird ein Magendurchbruch, dass ich nicht weiss, wie oft ich all das noch habe. Der Literaturbetrieb ist eine Mutter, die mich ins Waisenhaus steckte vor dreissig Jahren und zum Abschied sagte: Gleich komme ich wieder. Ich sitze noch immer in meinem Matrosenhemdchen auf dem Bett und warte.

Am 17. Tag sagten sie mir, dass es keine Hoffnung mehr gebe. Dass in den Gesichtern der Zeit, dort wo die Bücher zugeschlagen werden, ein Entschluss die Runde gemacht hätte, wie ein blutender Eber, der seinem eigenen Selbsthass vorausrennt. Am 23. Tag spürte ich zum ersten Mal, was all dies bedeutet. Es ist ein Schmerz, der wie von einer phantasmagorischen Axt getrieben, durch den Schädel, durch eine schwangere Frau, durch die Leere des Geschlechts gestossen wird. Die Sonnenbrille, die ich trage, ist eine schwarze Spinne.

Wir ziehen, leise und mit Stroh auf den Strassen, die Truppen vor. Panzerdivisionen, Infanterie (mot.), Stäbe und Logistik. Niemand wird glauben, dass wir aus diesen Wäldern kommen. Wir sind ein schlafender Bär. Die Hügel sind unsere Tatzen, die Bäume unser störrisches Fell. Die Nacht unser Auge. Der Sieg wird sein ein Vogel, zu füttern aus unserer Hand.

Zeige dich. Es ist zu hell. Die Schatten fallen nicht. Ich habe mich verspätet. Wirst du dennoch kommen? Leseindustrie allenthalben. Das Lächeln rieselt von unseren Wangen. Zahnkacheln, wo Schweigen ist. Ich möchte erschossen werden, nicht gehängt. Bitte braucht mich. Ich gehe ins Heim für kranke Jäger.

Ich bin ein Nachruf. Ein Zero-Seller. Wer tötet, braucht für die Erinnerung nicht zu sorgen. Man hat die Falschen über die Reling geschmissen.

Das alles dachtest du. Dass aller Schatten wird schwächer. Dass dein Kind lebt. Doch hintergingen sie dich. Jeder immer von neuem. An einem Frühlingstag wie diesem übertraten sie die Ufer, die Mauern nach Norden, nach Süden, all das, was du in deinem Zimmer bewachtest. Du kannst nicht zurück.

Was willst du mit all dem Schreiben? Mit diesem dein Zeichen machen wie ein streunender Hund? Niemand fürchtet sich vor diesen Zeichen. Niemand sieht sie. Und du selbst erkennst sie nicht wieder, waren die Stadtreiniger in ihren Orangerie-Hemden da. Männer, die Speichel werfen in ihre Hände. Das Böse ist nicht banal. Es ist nur gründlich.

Es kommt die ganze Müdigkeit des Wochenendes zum Vorschein, wie Schlick, der einem die Nase, den ganzen Rachen, den ganzen Körper ausfüllt. Und meine Altersweisheit wird heissen: Erschöpfung, Kachexie, Erbrochenes über den Tischen.

Wieder kehre ich als Gescheiterter heim. Es gibt keinen Sieg für mich, das Scheitern und ich sind eins. Nur das eine oder andere Abwehrgefecht entscheide ich noch für mich. Doch ich kann nicht unbegrenzt Finger, Hände, Arme und Beine verlieren. Ich zahle zum Abschied 140 Euro, in einem Hotel mit einer winzigen Frau, einem noch winzigeren Kind und einem riesigen kalbartigen Hund, der sein Frauchen eines Tages verschlingen wird. Inmitten einer Schar von Karikaturen verblasst meine Zeichnung zu einem überwässerten Aquarell.

Ich fahre nach München. Kein Teufel wird mich je aufhalten. In Nürnberg schmeissen uns, aus einer niedrigeren Hölle, Dämonen vom Zug. Auf dem Dach eines Ersatzzuges geht es weiter: Ingolstadt. München, München Hbf. Dort haben selbst noch die Bettler am Bahnhof bessere Kleider, dort lese ich am Abend bei einem Lyrikwettbewerb meine Gedichte. Nach der Lesung ist es so, als ob man mit vollen Kleidern aus kochendem Wasser gezogen wird. Darf man sich am Bösen bedienen? Ich gewinne nichts. So ist es immer.

Die Verpanzerung aller Körper setzt ein. Ichthyosis gravis nennen es die Ärzte, mit dem Leben unvereinbare Fischschuppen-Krankheit. Die Haut, die Schleimhaut atmet nicht mehr, sie schützt nicht mehr, sie wird ein unbiegsamer Panzer, welcher nur noch den Tod schützt. Ich stehe am Spiegel und giesse kochendes Wasser in meinen Hals, auf meine Arme. Es schmerzt nicht einmal mehr.

Die glorreichen Hegemann-Lektorate. Die feierlichen MDR-Literaturpreis-Lesungen mit den sieben Rittern der Kurzprosa. Die Mega-Sellers. Das Bäckerdutzend Schlammagenten. Airen Männchen. Die Urheberrechts-Admiräle, denen das Meer vertrocknet ist. Ich habe das alles so satt, als hätte ich eine 2-Liter-Flasche mit Bratöl getrunken.

Der Weg vor mir ist eine einzige Anhäufung von Ausweglosigkeit. Es gibt kein Ziel, keinen Sinn, keine Rechtfertigung, nicht einmal Vergebung. Die Gladiatoren gingen so wie ich. Dem Untergang geweiht, und nur bemüht, jene letzte Ehre gegenüber sich selbst zu wahren. Ich bin die deutsche Flotte, die noch einmal ausläuft zum Kampf gegen jene Übermacht, die Englands Küsten schützt. Man kann eine 40 cm Granate der HMS Rodney nicht verschlucken.

Heute Morgen wie nach einer Auskeulung aufgewacht. Als könnte ich niemals mehr aufstehen. Ich gehe zur Arbeit. Draussen laufen herum: Barbie-Puppen mit weissen Lederstiefeln, dazu Pseudo-Zuhälter mit verlängerten Hunden an der Leine, Irre, Autonome, ich.

Die Hälfte aller Tag war ich ein Töter, ein ewig Zerstörender, der seinen Schuldigern nicht mehr vergab. Die Hälfte aller Wege stand ich am Rand, ohne Wasser, ohne jedwedes Ziel. Die Hälfte aller Zimmer war türlos, ohne Fenster, ohne Klopfen, nicht einmal des Nachts. Warum bist du so unruhig? Welche Zeit ist dir genommen? Wohin geht all deine Angst?

Wir kommen aus diesen Tagen nicht mehr heraus. Sie haben uns im Schwitzkasten. Jedes Manövrieren ist zum Scheitern verurteilt, wir stecken fest in unserer eigenen Schuldmelasse wie die deutschen Truppen im russischen Herbstschlamm vor Moskau. Ich versuche es mit 400 mg. Zweite Stufe: 600. Die Dritte: 1000. Und keine Möglichkeiten darüber.

Jeden Morgen fahre ich in der Strassenbahn der schweigsamen Leute zur Firma der gläsernen Wände. Jeden Tag arbeite ich im Büro der brüllenden Affen. Jeden Abend kehre heim ich. Abend kehre heim ich. Kehre heim ich. Heim ich. Ich. Und sehe im Spiegel nur eine Erinnerung.

Es ist, als ob Fremde mich aus einem Keller befreit und ans Tageslicht getragen hätten: Ich bin unter den sechs Endnominierten für die erste Runde des Müncher Lyrikpreises. Mehr konnte ich in diesen Wochen und Monaten nicht erwarten. Ich kann das Fenster schliessen, das ich so oft geöffnet halte. Ich fahre nach München an einem Apriltag, um meine Gedichte vorzulesen. Doch es wird die geben, welche alles verraten.

Wieder stehen seit Tagen die Endrunden-Teilnehmer des MDR-Literatur-Wettbewerbs fest, wieder wurde ich nicht berücksichtigt. Es bleibt für mich kein Platz mehr. Doch ist die Literatur nicht das Kind, die Stiefeltern am Leben zu lassen. Ich schaue in tote Texte allüberall.

Während andere den Frühjahrsputz machen, als liege Frieden in der Luft, planen wir in den Stäben. Division nach Division wird nach Osten verschoben, an die Grenze zum Russen. Ich kann so ungestraft all dies schreiben, weil niemand es merkt. Jeder hütet seine eigene Illusion vor sich auf dem Osterteller. Doch wir werden losschlagen.

Es ist ja mit meinen ständigen sinnlosen Verlagseinreichungen so, als ob ich als Schwerkranker von einem Spezialisten zum anderen renne, und schreie: Helft mir. Findet mich. Verlegt mich. Und die Spezialisten lassen den Blick über die Seiten meines Exposes gleiten wie über die CT-Bilder eines Gehirntumors: Inoperabel. Aussichtslos. Ausbehandelt. Nehmen Sie ein paar Ibuprofen gegen die Schmerzen. Den Rest bezahlt keine Literatur-Kasse.

Wie oft habe ich versucht, die Angst aus mir herausfliessen zu lassen. So als ob sie der Schwerkraft unterliegen würde. Aber sie kehrt immer wieder zurück. Sie ist im Essen, im Samen des wandernden Tieres, im Duft des Gewitters. Ich frage meine Eltern, ob sie mich aus einem Heim haben. Sie sagen ja. Und schauen weiter die Sportschau. Nicht einmal die Blicke wechseln.

Alles Sterben, alle Tode habe ich weit vorweggenommen, es ist, als blicke ich auf all das aus einer fernen Zukunft. Und irgendetwas haftet meinen Umschlägen an, die ich an Literaturverlage, Zeitschriften, Wettbewerbe schicke. Als sei eine geheime Botschaft darauf geschrieben, die der Öffnende nur unbewusst wahrnimmt, und doch schaurig umsetzt: Vernichtung. Es kann nicht anders sein.

Wir fahren los. Ich wünschte, ich wäre kein Prophet. Doch der Tod ist der Reifen an unserem Auto, die Mittelspur unsere Wege, ein Schuss aus der Ferne. Das Jaulen der Rettungswagen. Die Lichter, die mühsamer werden, dunkler, bis sie verklingen.

Ich fürchte nein. Auch dann nicht. Es treten wieder diese Lähmungen auf. Als sei man am ganzen Körper in Eis gefasst. Es ist nun wieder so, dass ich mit den frühen Vögeln zu Bett gehe. Als sei mein Lichtempfinden das eines Negativs. Ich verrate meine Freunde, meine Familie, alle in diesem Blog. Doch herrscht ein Amtswalter-Schweigen in den Dingen, das mich langsam zermürbt.

In einer Lokalzeitung meiner Stadt lese ich, dass letztere die Örtlichkeit mit der höchsten Jungdichter-Dichte sei. Diese würden die Literatur der kommenden Jahrzehnte prägen. Doch quillt der Friedhof langsam über. Auch Papier kann erdrücken.

Immer sehe ich sein liebstes Gesicht. Wie es davon fährt, die Hände darunter ausgestreckt. Ich bleibe zurück. Ich bin ein Toter, den sie noch einmal zurückschickten, das eigene Kind zu finden. Ich bin ein Anzug. Ein Vorsitzender in ziellosen Kommissionen, die niemals eine Einigung finden werden. Ich büsse mehr, als ich ertragen kann. Eines Tages werden sie in meinem Zimmer stehen. Die Fleisch gewordenen Geister. Es gibt eine Schuld, die von Tag zu Tag wächst, nicht schwindet.

Von Amman kam vor langer Zeit der Leider-Brief. Nicht einmal die Sterbenden nehmen sich meiner an. So gerne würde ich meine Liebe zeigen und mit ihnen sterben. Doch ich bleibe zurück, wie ein Kind ohne Eltern. Und immer wollte ich das Andere, das Nicht-verständliche, das Indirekte. Ich vergass mein Essen, mein Trinken, und dass ich fror mehr als jeder andere. Doch heute gab es keine Kälte.

Meine umfangreiche Korrespondenz mit Verlagen beschränkt sich auf die Aushandlung der Modalitäten bzgl. der Manuskript-Rücksendung. Fünf Euro-Schein? Internationale Postwert-Zeichen? Man kann nicht ewig luftlos tauchen. Der Rekord liegt bei knapp über 10 Minuten bei afrikanisch-asiatischen Perlentauchern. Ich tauche seit 20 Jahren, komme aber luftschnappend in LZ für Sekunden nach oben. Immer wieder. Nicht immer öfter. Jedoch lebenslang.

Mein Blog bricht ab. Und Kinderschuhe tanzen auf meinem Rücken. Ich lebe im Schatten der Angst, ohne Verständnis für Glück, für Geborgenheit, für Ruhe. Ich werde aus diesem Leben nicht mehr herauskommen. Und wieder laufe ich zur Strassenbahn, als ginge ich den Toten entgegen.

Ich scanne und konserviere mein Scheitern. All die Leider-Briefe. Es ist alles, was ich habe. Ich bin ein zweiter Schriftsteller.

Aus verschiedensten Gründen. Die Literaturgeschichte kennt die Figur des Diplomaten nicht. Ich erhalte nicht den Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Ich warte auf die Todesnachricht. Dass alles vergebens. Und alle selbsterfundenen Gerüchte wahr.

Doch stehe ich in einer umfangreichen Korrespondenz mit allen grossen Literaturverlagen, -zeitschriften und -institutionen sowie den namhaftesten Theaterbetrieben. Zuerst dachte ich, sie drucken und spielen meine Werke unter einem anderen Namen, um den Ruhm für sich zu ernten. Dann dachte ich, sie trauen sich nicht, dem verletzlichen Volk die Radikalität und Ausweglosigkeit meiner Texte anzutun. Dann merkte ich, dass sie gar nichts taten. Gregor Mendel, der Vater der Genetik, schickte seine Züchtungsergebnisse an Darwin, als er von dessen Evolutionstheorie hörte. Die Mendelschen Vererbungsregeln waren einer der fehlenden Bausteine in Darwins Theorie. Man fand den Brief ungeöffnet in Darwins Nachlass. So will my texts.

Von einer LZ kam die Nachricht, dass sie einen Text von mir abdrucken wollen. Ich kann wieder ein wenig Suppe durch mein aufgeschwollenes Gesicht essen. Ich bin der Elefantenmensch, der als einziger seine Hässlichkeit sieht. Das Licht des Tages erreicht mich wie eine Küchenschabe im Keller. Manche erziehen lieber einen Hund als ein Kind. Die blauen Flecken fallen nicht auf. Ich schreibe lieber Texte, als dass ich lebe. Und wusste nicht, dass man so warten kann.

Wiederum alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wiederum die Mailbox schweigsamer als ein Grab. Wiederum gehen die Blicke zu Boden, das Lachen wird dünn, weil es kein Lachen, sondern ein sich Verschlucken ist. Ich muss begreifen, dass mein Schreiben nichts, aber auch gar nichts mit dem Buchmarkt, dem Literaturbetrieb zu tun hat. Man kann nicht schlechter schreiben als ich.

Wie lange noch? Die Augen vereinsamen zuerst, dann das Riechen, der Mund. Zuletzt soll man noch hören, und dennoch nicht mehr verstehen. Ich schlafe kaum noch, es ist ein Wachliegen mit dem Warten auf Schlaf, der wie ein afrikanischer Bus niemals kommt. So dass man seine Kinder auf den Rücken schultert und los geht, bis man einbricht und krampfend liegen bleibt.

Regen. Die Nässe des Tages begleitet mich wie ein Vorhang aus Zaubertropfen, die etwas abwischen wollen. Schirme, Mädchenfüsse, Kinderstimmen, als sei all das eine einzige Arena. In den Zimmern, den Grossraumbüros regnet es weiter, man sitzt mit den Füssen im Wasser. Ich schüttele die Schuld eines Jahrhunderts in mir herum.

Die schwersten Texte zuletzt. Dann, wenn die Kerze heruntergebrannt ist, die Tasse eingetrocknet, die Miete unbezahlt. Buchstabenkolonnen als Himmelfahrtskommando. Ein Text im Zentrum aller Gehirnwindungen, mehr Musik als Sprache, und dennoch einfach und klar in seiner Aussage: Ich trauerte mein Leben lang, ich log mein Leben lang, ich starb mein Leben lang. So ist es gewesen. Nicht mehr als der Kot in meiner Leiche.

Man kann nicht einsamer sein als ich auf einer Buchmesse oder einem Literaturfestival. Vor den Ständen der Giganten, Suhrkamp, Fischer etc., stehe ich wie ein Bettlerkind vor einem riesigen Süsswarenladen. Doch nicht einmal wegjagen wollen sie mich, sie schauen nur durch mich hindurch. Und sollte ich eines Tages aufgespürt werden, werde ich unfähig sein, etwas aufzunehmen von Lob, Anerkennung, oder Verständnis. Wer seit Jahrzehnten verhungert, kann nicht auf einmal essen. Ich sitze in einem Verlies, das niemand sieht. Es hat keine Wächter, keine Mauern, es gibt keine Lösegeldforderung, es gibt nur mich. Ich bin Häftling, Kerker und Wächter zugleich.

Ich beobachte, dass die Menschen, die mir begegnen, auf der Strasse, im Cafe, im Bus mit dem Kopf nicken und sagen: Alles Gute. Ich drehe mich um, aber hinter mir oder neben mir ist niemand. Sie meinen mich. Ich packe Taschen, für jeden der möglichen Fälle eine. Es ist ein Schmerz in allen Dingen, so wie es die Dichter immer erzwingen wollten. Ich wollte das Schreiben, nun wird das Geschriebene Wirklichkeit.

Jeden Tag, jede Nacht warte ich auf die Nachricht, dass mein Kind tot ist. Ich bin gefangen in einem Keller aus Angst, aus Hass, Verzweiflung. Wie ein Gelähmter starre ich nachts die Wände an, wie ein Toter wandere ich tagsüber durch die Gänge. Todeweise bin ich erschöpft, ich höre die Geister in den Wänden, und selbst wenn ich alle Müdigkeit, jeden Schmerz, jede Angst herausfiltere aus meinem Körper am Morgen, bleibt nur das Nicht-Sein-Dürfen. Ich wurde geboren, um mir zuzusehen.

Feldkircher Lyrikpreis, einige Sonderausgaben von LZS usw. Ich mache meine Beiträge fertig, so wie andere Kuchen backen. Literatur-Patient mit infauster Prognose, der von einem Spezialisten zum anderen rennt. Es könnte ja sein. Schliesslich landet man bei Schamanen und Medizinmännern. Bis man ein ausbehandelter Lyriker, Schreiberling, Romankleber ist. Das Versterben als letzte Einreichung. Desselbigengleichen soll es sein.

Aller Schnee ist zurückgekehrt. Als sei er niemals getaut, sondern nur verborgen gewesen, in den Strassenritzen, den Häusernischen, den Westentaschen. Und mit ihm zurückgekommen ist die Kälte der Menschen, die ich in mir finde, jede Tag von neuem. Die Katzen, die ihr Winterfell bereits abgeworfen hatten, erfrieren, ich finde Dutzende vor meiner Tür. Und dazwischen, hinter und über allen Dingen, spielende Kinder, welche die Schneemänner misshandeln.

Napoleon liess alle Strassen der Welt links und recht mit Baumreihen bepflanzen, so dass seine Soldaten Schatten hatten beim Marschieren. In Russland nutzten ihm diese Alleen wenig. Und sie wurden zu Todesfallen. Mein Vater, meine Mutter, meine Geschwister, sie alle schlängelten sich mit ihren Blechkarosserien und Gedärmen um diese Bäume. Moderne Naturplastik. Ich eröffne das Spiel wie jeden Morgen bereits mit 120 km/h. Es wird keinen Schmerz geben. Ich wusste nicht, dass diese Einträge so schlecht sind.

Doch zielt mein Ton weiter. Über alle Horizonte hinaus. Ich habe nicht die grossen Textumschläge, in denen man sich verliert wie der salzige Tropfen im Süsswasser. Ich habe nur mich, meine Angst, meine Niederlagen. Und tauche ich auf im Flur, gehen die Blicke nach unten, und die Stimmen werden geheimnisvoll.

Als ich meinen Roman Zweierlei Krieg einschickte, sagten sie: Wen interessiert das noch? Als ich meinen 9/11-Roman einschickte, sagten sie:  Das ist Sache der Amerikaner, wer will solche Grausamkeiten lesen? Als ich meinen Roman "Der längste Weg" vorlegte, sagten sie: Das ist Science-Fiction. Als ich meinen Roman über einen Tunnelbau in Südamerika vorlegte, sagten sie: Das sind Indianergeschichten. Nach Durchsicht der Unterlagen stellte ich fest: Keine Rechnung wurde jemals beglichen, und kein Roman jemals geschrieben.

Seit heute Nacht hängen die Ergebnisse des Wiener Werkstattpreises 2009/2010 aus. Gewinner sind mit jeweils 112 Bewertungen eine Nackte-Brust-Geschichte und eine Unfallbewältigungs / Ententötungs / Ich / Selbst / Vermischungs-Story. Das Publikum befand. So soll es sein. Ich wurde nachvollziehbar nicht weiter berücksichtigt. Ich habe sieben Leute bewegen können für mich eine Bewertung abzugeben (mich eingeschlossen). Es die Rolle des schlechten Verlierers, der nicht weiss, in welcher Disziplin er antritt. Auch ohne Publikum verliere ich einen Literaturpreis nach dem anderen. Und aller Kampf ist letztlich fair.

Standardverfahren der Verlags-Totschlägerei. Der Weihnachtsmann des Literatur-Betriebs wird nun, zwei Monate nach der 2009. Niederkunft der Gottesmutter, nicht mehr bei mir vorbeikommen. Mein Autorendasein ist schön, autorartig, künstlich, künstlerisch, erfolgless, schartig. Sie haben mir das Haus um die Ecke geschenkt. Ohne die mit dem Gesicht nach aussen in die Wände Eingemauerten zu erwähnen. Erster Toilettenbesuch war um 15:03. Gangrunde 17:42.

Als ich einen Text über Srebrenica schrieb, dachte ich, die Serben werden mir drohen und mich töten. Als ich einen Text über al-Qaida verfasste, hatte ich Angst vor einem Selbstmordattentäter, der in denselben Bus steigen würde wie ich. Als ich über Abmahnanwälte und Investment-Clowns schrieb, wusste ich, sie würden mich vor Gericht zerren. So ist es gekommen. Tausendfach bin ich tot, zerfetzt, verurteilt, und inmitten all dieser Scherben schreibe ich weiter, so als sei all dies niemals geschehen.

Niemanden gibt es, der mich sucht. Der Kosmos ist ein einziger Sarg.

Ich habe kein Wasser mehr. Und seltsame Schwindelanfälle zwingen mich, zur Seite zu fallen, wie nach einem Kartätschenschuss. Wenn es dieses nicht ist, ist es etwas anderes aus meinem Hauptwerk "Findings Volume 1-21". Das traurige Ergebnis des WE: Zwei Verlags "Leider..."-Wordtemplates und eine Eingangsbestätigung. Himmelsbriefe werden eher erhört. Das Autoren-Dasein ist zu 20 Prozent Schreiben, 5 Prozent Kaffee, 25 Prozent Selbsthinrichtung, 50 Prozent Verbitterungsmanagement. Und das Mischen von Lachen und Ratlosigkeit ist ohnehin überall.

Seit Jahrhunderten ziehe ich umher, ziellos, zeitlos, ein Ahasver ohne gerichtsfeste Sünde. Meine Eltern wurden getötet von denen, die nur die Sterblichkeit kennen, meine Kinder verwelken, kaum dass sie geboren. Ich presse die Zeit in einen Kreis, und rolle doch immer bergab. Unentwegt greift der Russe an, jeden Morgen, jeden Tag. Jetzt, im Winter, stirbt man an Wunden, über die man im Sommer nur erschöpft lächeln konnte. Das austretende Blut gefriert sofort nach innen und löst eine Frostsprengung der Gefässe aus, wie bei Wasserrohren im winterlichen Gartenhaus. Wir hiessen Gespenster-Brigade, jetzt heissen wir Schneeweiss und Rosenrot.

Was gäbe ich darum, dass das Feuilleton und der Literaturbetrieb so auf mir herumhacken würden wie auf Roadkill-Helene. Gehasst werden kann eine Gnade sein.

Ich verliere meine Kälte. Meine Umsicht. Meinen sauberen Mund. Einst liess ich die Divisionen gestaffelt aufziehen, hielt sie zurück bis zum letzten Moment, um dann, teuflisch, dämonisch, den Gegner in seiner weichesten Stelle zu treffen. Es hat uns imponiert, dass Sie so ruhig geblieben sind in der Prüfung, sagte der Professor zu mir. Nun, 800 Jahre später, sieht das Zimmer, wenn ich eine Obstkiste sortieren soll, aus wie nach einem Selbstmordanschlag. Nur noch die Opfer kann ich verhöhnen.

Ich werde keine Literaturpreise gewinnen. Nicht heute, nicht morgen, nicht an einem anderen Tag. Nicht den DLP 2010, nicht den WWP, nicht den MDRLP. Man kann Enttäuschung nicht essen, sie bleibt einem im Hals stecken, dass man über Jahrzehnte erstickt. Es gibt etwas in meinem Schreiben, dass jeden Preis, jeden Erfolg verhindert: Schlechtigkeit, Grausamkeit, Fremdartigkeit, ich weiss es nicht. Ich kann nur meine Texte in Bleikisten vergraben und hoffen, dass eines Tages, nach dem Atomkrieg, keiner sie findet.

Alle Angst, allen Schmerz habe ich für diese Woche aufgebraucht. Man kann nicht unentwegt zittern. Doch die Gesichter, die ich sehe, passen nicht zu dem, was ihre Münder sagen. Es ist, als ob ich das Heute höre und das Morgen sehe. Wie bei einem, der mittags sagt: Ich fange nun ein Buch an. Und abends tot ist.

Ich wärme meine Hände auf Herdplatten. Ich hänge meinen Müll in diesen Blog. Ich bin mir nicht sicher, ob ich je mehr als nur Buchdeckel gelesen habe. Ich habe mich verspätet, als die Brotkarten für den Literaturbetrieb ausgeteilt wurden. Ich hatte schon immer das Gefühl, Teil eines tragischen Ganzen zu sein. Ich habe als beginnender Autor alles richtig gemacht. Das war falsch.

Meine Schwester heisst Resignation, mein Bruder Verzweiflung, mein Vater Ich-wollte-dich-nie, Ich-will-dich-nie. Der Literaturbetrieb ist mein Vater, die Kritik meine Mutter, ich bin das verratene Kind, das im Keller haust, über den man den Nachbarn sagt: Dort sind nur schmutzige Kohlen und uralte Rüben, niemand geht mehr da hinunter.

Draussen ist es ruhig. Keine Schüsse, nicht diese nächtelange Schreien, als sei bei manchen der Gehirnchip abgestürzt. Ich finde mit einem Spiegel aus einer Glasscherbe Tränen in meinen Augen. So als sei alte Schuld durch den Strassenasphalt gepresst worden.

Heute nacht kam die Feldküche bis nach vorne zu unserer Stellung, mit heissem Kaffee und einer Sonderration Schnaps. Wir alle wissen, was das bedeutet: Angriff, Angriff, Angriff. Doch wir greifen schon lange keinen Feind mehr an. Es geht nur noch gegen uns selbst. Und wie können wir die letzten Stunden vor dem Morgengrauen schlafen, wenn eine Nuklearbombe mit unbekannter Zündereinstellung neben uns liegt. Mir fällt ein TextArt-Heft in die Hände, der Zeitschrift für kreatives Schreiben. Eine Ansammlung von Blättern, teuer, schön, alabasterartig.

Konzentration auf eine Angst, einen Wahn, einen Hass. Und nicht in die Trauer hinein, sondern Zuwarten. Bis die vernichtete Armee schreit: Wo ist die Reserve? Ich weiss es nicht. Die Reserve-Division wurde 100 km hinter den rückwärtigen Linien das letzte Mal gesehen. Nun ist sie bei der einen, der grossen Armee. Ich bin ein Feldherr, der nicht einmal die Erbsensuppe seiner Soldaten essen kann. Nur im Beine-Verlieren kann ich mithalten.

Abs. v. LZ 223. Was spielt das für eine Rolle: Ich fahre in die Trauer hinein, den Tod, diese Wellen von Angst und Gewissheit. Nächtelang, monatelang werde ich daliegen, wach und zu Tode erschöpft, starr vor Angst, und meine Ewigkeitszeche zahlen. Kein neuer Absatz: In der Ferne zünden sie endlich die Wasserstoff-Bombe. Zuerst ist es der Lichtblitz, der einem durch die Augen dringt und hinten am Schädel austritt, dann die Druckwelle, welche die Lungen zerplatzen lässt wie eine aufgeblasene Brottüte, zuletzt kommen die Lebensstrahlen, süss wie Zucker bei der Zertrümmerung der DNA. Dann ist auch alle Literatur am Ende aller Zeilen angelangt. Doch nur mit Angst kann ich schreiben.

Der Doppelpunkt, der alles öffnet: Reich und Sein, der Einfachpunkt der manches schliesst, das Komma nichts beginnend, nichts beendend dir.

Ich habe die Kraft eines Gletschers in der Wüste, die Schlagzahl der halben Herzen, den Blutstrom einer Schnecke, kreuz und quer durch alle Körperhöhlen. Gestern die Liquidation eines Hazara-Dorfes durch Taliban in meinem Roman beschrieben, damit ist auch für diesen Roman das Todesurteil gefällt: Wer in Deutschland will das lesen? Ich bin ein deutschsprachiger Autor, der amerikanisch-afghanische Probleme beschreibt. Dabei sind wir den Amerikanern näher, als wir es wahr haben wollen. Der einzige Unterschied ist, dass wir wissen, dass es den anderen gibt. Verdiente Kopfschmerzen, so stark, dass schon keiner mehr fragt.

Der Mann an der Ecke, Zeitung lesend, die Frau mit dem Kinderwagen, die spielenden Halbwüchsigen. Wer hat mich gesehen, wer zieht seine Schlüsse. Was weisst du lange nachdem? Wen habe ich gesehen, was werde ich sagen, wenn die Lampe in mein Gesicht scheint?

Mechanisierung der Angst, der Vernichtung, der Einreichungen: Ich reiche heute zu drei Literaturwettbewerben meine Texte ein. Der Bus kommt immer, man muss nur lang genug warten. Doch was ist, wenn der Bus überfüllt ist, mit Leichen, mit Feindseligkeit?

An jenem Freitag-Karfreitag wird niemand sich annehmen deiner: Der erste wird nach einem seltenen Vogel geschaut haben. Der dritte dein Gewand tragen des Abends an seiner Braut. Der siebte keuchend sein Pferdchen spornen an dir. Der zwölfte Nägel treiben in deinen splitternden Knochen. Die Übrigen werden Steine gehabt haben in ihren Schuhen. Und aller Krieg hat dich verloren.

Wer sich in sein Blog-System einloggen kann, ist nicht tot. Wer für einen Tag einen Eintrag schreiben kann, ist nicht stumm. Wer diesen Eintrag hochladen kann, hat Hände. Nur die Füsse sind nicht mehr. Sie sind da, aber sie haben ihre Beine verloren. Wieder im Verstossungs-Verteiler einer LZ. Bitte aber Heft erwerben. Man soll auch für das nächste Heft. Usw. usf.

Ich habe Angst vor der Kälte, vor jedem Tag, den ich zähle, vor jedem Wort, jedem Blick. Es ist, als ob alle Schuld wartet auf diesen einen Moment. Den Moment, in dem ich hinaustrete und nicht weiss, ob all das je sein wird. Schuld kann gebogen werden, wie Fiberglas, doch auch dieses bricht irgendwann ins Gesicht hinein.

Der Schmerz kam aus dem Dunkeln, von links, ein Pfeil durch die Wirbelgegend, die Spitze herausschauend wie zum Gruss. Ausstrahlung nach unten, bis in den Fuss, als habe einer die Axt dort angelegt, nicht weiter oben. Und meine drei Erzengel heissen: Ibuprofen, Valoron, Tramal.

Ich werde rechts von den Jüngeren überholt. Geisterfahrer, Zusammenstoss mit der Vergessenheit. Es mag so sein, es mag so werden, es wird so sein. Der Tod ist eine Schublade, die am nächsten Morgen wieder offen ist. Niemand will es gewesen sein. Ich nehme die schlimmsten Einträge heraus.

Wieder spreche ich bei den Geheimdiensten, den Regierungen, den Weisen vor: Wir sind ein Leuchtfeuer. Seit über 60 Jahren - seit es globale Rundfunk- und Fernsehsendungen gibt - strahlen wir wie ein elektromagnetisches Leuchtfeuer ins All hinaus, sichtbar für das Böse wie das Gute hinter dem Tannhäuser-Tor. Wir sind primitive Wilde auf einem Berg, die zum ersten Mal Feuer machen. Achselzucken. Andere Tabletten. Andere Fragen.

Keine Nachricht. Nichts. Nicht von LZen, Ven, Wen, Thn. Es gibt, bis auf weiteres, bis zum vorvorletzten Weckerklingeln, das Morgen und Übermorgen.

Die Kälte ist zurückgekommen, gegen alles Blut, alle Wärme, alle Hoffnung. Die Kleider, Uniformen frieren an der Haut fest, das Sich-Ausziehen wird zum medizinischen Problem. Und wieder erstarrt die Front, die Panzer vereisen, die Zieloptik, alles, die Maschinenwaffen und Geschütze. Wenn sie angreifen jetzt, können wir nicht einmal Eisklumpen werfen, denn unsere Muskeln sind wie erstarrt. Wieder im "Danke, aber tut uns leid"-Verteiler eines Literaturwettbewerbs. Es ist ja all das kein Wunder mehr.

1. Es reicht nicht, gute oder bessere Texte zu schreiben. Es muss 2. auch jemand sie beschmieren. 2. ist ungleich schwerer. Ich gehe wieder arbeiten. Für eine Stunde, einen Tag. Auf einem Gemälde von 1835 sehe ich ein Kind mit seiner Mutter. Was ist mit diesem Kind? Wohin ist es gegangen? Nach 50.000 Jahren der Geschichte des Homo Sapiens wissen wir immer noch nicht, wohin wir gehen, wenn die stumme Klingel läutet.

Zur Förderung meiner Genesung kam von Verlag 17 oder 23 die Absage für meinen Roman: wegen der Hausautoren und überhaupt. Somit sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, der Sachverhalt ist ausbehandelt, der Exitus unvermeidbar. Es bleibt jene Welt fernab aller Schritte, aller Gesten, aller Erwartungen. Dort, wo man an Türen nicht mehr klopfen muss, weil es keine gibt. Verlassenheit. Endlosigkeit. Glattstreichung. Das, wofür wir unsere Erinnerungen nicht aufschreiben. Ich werde, wieder, ein Kind.

Für immer krank. Fieber, Schmerzen. Kalte Glut, wo sie nicht sein soll. Inmitten des Schnees muss ich versuchen  zum Arzt zu kommen. Dort ein Tropfen Morphium auf ein Stück Zucker. Zuerst kommen die Kinder zurück, geschändet, frierend und verstümmelt und sagen: Es geht nicht weiter durch diesen Schnee. Dann die Tiere. Zuletzt die Männer und Frauen. Sie versuchen es bis zuletzt. Der Schnee ist eine Wand aus Hass und Kälte. Man kann ihn nicht überwinden. Nicht ohne den Vater, der zum Sohn ging, um als Toter aufzuerstehen.

Eines der wesentlichen Elemente der Strukturgeschichte ist die Oberflächen-Vergrösserung:  Eine zerteilte Kartoffel ist schneller gekocht. Also mache ich das auch, als Autor. Ich vergrössere meine beschriebene Haut mit Websites, Trailern, Musikeinlagen, E-Mails, Plakaten etc. Mit einem beispiellosen Medienrummel überziehe ich das Land. Es zählt nicht Qualität, sondern Präsenz. Textual Carpet Bombing. Amerikanisierung der Literatur. Nichts von alledem ist wahr.

Arbeitshypothesen: Wer mich anruft, kann nicht tot sein. Wer mich schlägt, kann mich nicht ignorieren. Wer mich zerstört, muss besser sein als ich. Wo sind diejenigen hin, die ich liebte, die mich begleiteten auf diesem letzten Gang? Dreierlei Seelen. Zweierlei Krieg. Die Tage des Kalifats. Legende von Schatten. Der längste Weg. Dies sind die Kreuze auf meinem Weg. An jedem hängt ein Körperteil von mir. Wo wird der Kopf hängen? Man soll nicht versuchen, aus einem schlechtem Bild eine Plastik zu machen.

Das Beste, was der Literatur passieren kann, wäre: Keine Verlage, keine Wettbewerbe, sondern nur: Verfolgung, Hass, Demütigung. Nur dann wird nur das geschrieben, was geschrieben werden muss, bei Kerzenlicht nachts im Keller, und auf der eigenen Haut vervielfältigt. Ich sehne mich nicht nach der Diktatur. Nur dass die Kanalbrühe aus Texten nicht in meine Wohnung kommt, über die Rohre, Leitungen, das Internet, die Post. Denn was bis in meine hermetisch abgeriegelte Wohnung kommt, muss überall sein.

Ein Schneesturm ist angesagt, weit über dem Land. Alle Verlage, alle Theater, alle Literaturzeitschriften, alle Wettbewerbe wird er einschneien, zurückwerfen auf Kälte, Hunger und Tod. So war es 1947, so wird es sein 2010. Ich bekomme bereits mein Fenster nicht mehr auf. Schnee kann wie Beton sein, der in den Wänden, unter den Tischen, auf den Füssen sitzt. Ich klebe, inmitten der Schneeverwehungen, Texte ins Web. Das ist, wie an einem Galgen hängen, und hinter und vor einem desinteressierte Geier.

Ich kann dazu nichts mehr sagen. Drei Stunden liege ich in einer Pfütze. Das Haus, in dem ich lebe, stürzt ein. Die Nachbarn wundert es nicht. Ein Asteroid rast auf die Erde zu und wird in meine Pfütze einschlagen. Die Nässe musst du aus dem Gesicht wischen.

Die Nacht wenig mehr als drei Stunden geschlafen. Wespennest in meinem Kopf. An anderen Tagen Ameisen, manchmal Bienen. Während ich meinen Eimer Tee trinke, schippen sie Schnee draussen. Sie wollen mein Fenster zuschütten. Jeden Winter von neuem.

Es gibt Hoffnung, werden die Ärzte sagen. Bezüglich welcher Krankheit? Nr. 17, vielleicht, so die Antwort. Achselzucken. Es gibt ein ganzes Buch über Goethes Krankheiten. Schiller und Roth waren noch kränker, Kafka und Büchner ohnehin. Ich bin auch krank, und nichts von alledem. Und kein Kinderschreien da draussen für mich.

Arbeitswoche. Schnee allenthalben und eine Kälte, dass das Ministerium für Gehsicherheit sagt: Wer fällt, findet keine Gnade, kein Mitleid, keine Versorgung. Sie müssen ihre Cross Border Leasing Schulden kompensieren. Absage von einer Literaturzeitschrift. Was wird eigentlich abgesagt? Der Text oder die Hoffnung? Ich weiss es nicht mehr. Ich werde gegen das Gesetz der Stille ausgetauscht. Wirkliche Stille ist, wenn man etwas sagen könnte, aber es nicht tut. Einen Pianisten tötet man, in dem man ihm die Hände abhaut. Wie tötet man nicht? Es ist drei Uhr morgens. In drei Stunden stehen meine Kinder auf. Ich selbst stehe nicht mehr auf. Und gehe auch nicht zur Haltestelle 7, wo siebenstausend Menschen um 7 Uhr 7 versuchen, in die Strassenbahn zu kommen, bis die Scheiben durch den Druck der Drängelnden bersten und alle auf der anderen Seite rausfallen. Ich bleibe hier. Mit einem jaulenden Hund in der Nachbarswohnung.

Die Verlage haben sich über Weihnachten und Neujahr nicht gemeldet. Es wird daran liegen, dass viele Lektoren und Herausgeber in den Weihnachtsferien sind. Ganz sicher werden sie sich melden, wenn das neue Arbeitsjahr beginnt. Es hat etwas Schönes, Manuskripte, Texte, Versuche an Literaturzeitschriften und Verlage zu schicken, ohne dass irgendjemand zusieht.

Unter den 50 ausgewählten Texte für den Wiener Werkstattpreis 2009/2010. Anzahl der eingereichten Texte: 51, 500.000? Wann wird dieser Blog besser?